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„Die Jahre der Dialyse waren nicht verloren“

Am Gipfel seiner beruflichen Karriere kam für Dr. Siegfried Wlasaty der Schock: Mit der Diagnose Zystenniere wird er von einem Tag zum anderen zum Dialysepatienten. Wie er mit seiner Krankheit umgeht und was ihm Kraft gibt, erzählt er im Gespräch mit der KIZ.
Ausgabe: 2012/06, Welttag der Kranken, krank, Medikamente, Wlasaty, Zystennieren, Pädagogische Adademie, Elisabethinen, Staudacher
08.02.2012
- Josef Wallner
© Bildagentur Waldhaeusl
Wie aus heiterem Himmel traf Dr. Siegfried Wlasaty der ärztliche Befund: Er leidet an Zystennieren, was unweigerlich zu Nierenversagen und zur Dialyse führt. Das am Höhepunkt seiner beruflichen Karriere. Er war soeben zum Direktor der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz ernannt worden. Wie er mit seiner Krankheit umging, was ihm Kraft gab und gibt, erzählt er im Gespräch mit der KIZ. Fast auf den Tag genau zu seinem 50. Geburtstag im September 1989 sollte Dr. Siegfried Wlasaty seinen Dienst als Direktor der Pädagogischen Akademie antreten. Er hatte beste Voraussetzungen. Das Aufgabenfeld war ihm nicht neu. Er hatte am heutigen Stiftergymnasium Deutsch und Geschichte unterrichtet und lehrte nun schon zehn Jahre an der Pädagogischen Akademie. Von seinem Vorgänger wurde er gut in die neuen Aufgaben eingeführt, sodass sich Wlasaty in den Sommerferien schon auf den Anfang des Studienjahres freute. Bis ein Arzt seine Freude von Grund auf zerstörte. Die Diagnose: Er leidet an einer erblichen Nierenkrankheit, die um das 50. Lebensjahr akut wird und bei ihm gerade ausbricht. Er hatte Zystennieren. Ihre Leistung wird immer geringer, eine Dialyse unausweichlich. Leben im Zweitages-Rhythmus. Was sollte er tun? Seine Ernennung doch nicht annehmen? Wlasaty entschloss sich, es zu versuchen, der Dialysepatient Bruno Kreisky war ihm Vorbild. Eiserne Disziplin kam ihm dabei zu Hilfe. Er begann, strenge Diät zu halten und konsequent Sport zu betreiben. Insgeheim hoffte er, dass er so eine medizinische Ausnahme würde. Es nützte nichts. „Die Werte wurden immer schlechter, man ist immer öfter auf Untersuchung. Wenn dann ein Shunt, ein Zugang in die Venen, gesetzt wird, weiß man, dass es bald so weit ist. Das ist schon deprimierend“, sagt Wlasaty. Ab 1994 hieß es dann drei Mal in der Woche je vier Stunden an die Maschine. Sein Leben im Zweitages-Rhythmus begann. Das Spital der Elisabethinen wurde Teil seines Lebens. Die Befürchtungen, dass er seinen beruflichen Anforderungen nicht gerecht werden konnte, waren unbegründet. Auch dank Sr. Immaculata von der Dialysestation. „Sie hat mir geholfen, im Beruf zu bleiben. Sie hat wahre Wunder an Verschiebungen meiner Behandlungszeiten vollbracht.“ Die Stunden der Dialyse wurden nach einem kurzen Schlaf immer zum Arbeiten genutzt, zum Konzipieren von Reden und manchmal zum Tschechischlernen. Dialyse und Ölberg. Was gibt in einer solchen Lage Kraft? Wlasatys Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „Wenn man eine Frau hat, die zu einem hält, ist das eine unendliche Hilfe. Man kann das gar nicht genug schätzen.“ Sie kocht für seine Bedürfnisse, isst selbst seine salzlose Kost mit und fährt mit ihm gemeinsam Rad, sodass er eine gute Kondition bewahren kann. Wlasaty versuchte sein Leben trotz Dialyse so normal wie möglich weiterzuführen. „Wir sind immer gern gereist, das wollte ich nicht aufgeben.“ Das erfordert Planung und Konsequenz, aber es ist möglich: „Ich habe Dialysestationen im türkischen Konya, in London, Zypern, Jerusalem und auf Rhodos kennengelernt.“ Beten um Gelassenheit. Redet man Wlasaty auf Gott an, hat er keine Scheu, von seiner Erfahrung zu sprechen: „Ich habe mit Gott nicht gehadert, aber leicht ist mir das nicht immer gefallen.“ Geholfen hat ihm seine religiöse Formung von Kindheit an, besonders die Jahre in der katholischen Hochschulgemeinde in Innsbruck. Er betont nochmals, dass er keinen Grund zum Klagen Gott gegenüber sieht: Er konnte im Beruf bleiben, hat eine Familie, die ihm zur Seite steht. Das heißt nicht, dass er mit einem Dauerlächeln durch die Welt geht: „Beten muss man, dass einem Gelassenheit geschenkt wird.“ Mit Blick auf das Ordensspital der Elisabethinen, wo er sich in den Jahren der Dialyse gut aufgehoben gefühlt hat, fügt er hinzu: „Das Bewusstsein, dass man in einem Haus ist, wo viel für einen gebetet wird, tut gut. Ich bin sicher, dass es auch jenen hilft, die selbst nicht vom Gebet überzeugt sind.“ Geschenktes Leben. Die Jahre der Dialyse waren für Wlasaty keine verlorene Zeit. Eine Nierentransplantation hat aber von Grund auf eine Änderung gebracht: „Das ist wie ein neues geschenktes Leben.“ Am 5. Mai 2000 fing dieses neue geschenkte Leben an. „Genau am 100. Geburtstag meiner Mutter.“ Nachdem er vier Jahre auf eine Spenderniere gewartet hatte, hing im letzten Moment alles an einem seidenen Faden. In Brüssel, woher das Organ kommen sollte, konnte das Flugzeug wegen eines Streiks nicht starten. Schließlich klappte es doch noch. „Es war eine glückliche Fügung. Der liebe Gott meint es außer­ordentlich gut mit mir – bis heute“. Goldene Hochzeit als Ziel. Inzwischen ist Wlasaty schon lange in Pension. Sich körperlich fit zu halten, nimmt einen wichtigen Platz in seinem Tagesablauf ein. Golf spielen, Schi fahren, jeden Tag mindestens eineinhalb Stunden gehen, Rad fahren. Die Fitness bildet keine Garantie, aber eine gute Voraussetzung, dass die Spenderniere lange funktionstüchtig bleibt. Sein neues Organ arbeitet schon zwölf Jahre, um vier Jahre länger als der Durchschnitt. Nach jeder Kontrolle ist er erleichtert zu erfahren, dass alles funktioniert. „Ich habe eine gute Spenderniere bekommen. Hin und wieder – leider viel zu selten – schließe ich den unbekannten Spender in mein Gebet ein. Es geht vieles so gut, ich brauche nur dankbar sein.“ Nach der Transplantation hatte er sich vorgenommen, 70 Jahre alt zu werden. Da ist er schon zwei Jahre darüber. „Jetzt habe ich die Verwegenheit zu sagen: Ich möchte mit meiner Frau die goldene Hochzeit feiern.“ Lachend ergänzt er: „Da muss ich noch fünf Jahre durchhalten.“ Einladung

In der Not werden Kräfte wach

Linz – Elisabethinen. Die Ordensgemeinschaft der Elisabethinen lädt anlässlich des „Welttags der Kranken“ zu einem Nachmittag, bei dem der Umgang mit Krankheit und die Bewältigung von Leid im Mittelpunkt stehen. Der Kärntner Priester Johannes Staudacher spricht zum Thema „In der Not werden Kräfte wach“ (13.30 Uhr). Er ist Seelsorger mit dem Schwerpunkt Trauerbegleitung. „Was mir den Mut gab, meinen Weg mit der Krankheit zu gehen“, erzählt Hofrat Dr. Siegfried Wlasaty, langjähriger Direktor der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz (15.30 Uhr). Er war Dialysepatient. Abschließend ist Gottesdienst mit Krankensalbung (17.15 Uhr) in der Elisabethkapelle. - Nachmittag zum „Welttag der Kranken“, Freitag, 10. Februar 2012, Festsaal der Elisabethinen Linz (Eingang Krankenhaus), Beginn: 13.30 Uhr.
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