Rieder Jugendliche interviewten ihre Multi-Kulti-Nachbarschaft
Eine Südamerikanerin kommt der Liebe wegen nach Österreich, ein Pole findet in Ried endlich Arbeit und ein Perser umarmt mitten auf der Skipiste einen Baum. Rieder Schüler/innen haben Geschichten von Migranten aufgezeichnet.
In Ried im Innkreis leben Menschen aus 71 Staaten, oft ohne einander wirklich zu kennen. Geht es nach dem Verein M.u.T. (Menschlichkeit und Toleranz) soll sich das ändern. Rieder Schüler/innen haben die Anregung aufgegriffen, ihre multikulturelle Nachbarschaft erforscht und die Geschichten auf Schautafeln dokumentiert. So wie die Handelsschülerin Sabine Mayrleitner (16), die ihren Nachbarn aus Polen befragt hat. Ein lebenslustiger Dreißigjähriger ist das. Er ist bei jedem Fest dabei und konnte sich so schon gut integrieren, wie Sabine erzählt: „Er sagt, bei uns kann man genauso gut Party machen wie in Polen.“ Was sein Schicksal mit dem vieler anderer Fremder in Österreich verbindet: Seine Berufsqualifikation wird hierzulande nicht anerkannt. Der gelernte Tischler muss seinen Lebensunterhalt als Hilfsarbeiter bestreiten. Das Wichtigste ist aber, dass er in Ried endlich Arbeit gefunden hat. Grund zum Jammern gibt es demnach wenig. Ähnlich ist es bei der Migrantin, die die Gymnasiastin Eva Gumpinger (15) interviewt hat: „Sie ist Ecuadorianerin und hat betont, dass sie sich in Ried immer sehr sicher fühlt, weil es wenig Kriminalität gibt.“ Dass der Lebensstandard in Österreich sehr hoch ist, wurde nicht nur der HAK-Schülerin Julia Höchtl (18) besonders bewusst: „Ich denke schon, dass wir es hier in Ried sehr schön haben“, sagt sie.
Kein Zurück aus Ried. Die Geschichten der Rieder Migranten sind nicht immer nur ganz ernst. Ein persischer Oberarzt hat in Österreich etwa auf unkonventionelle Art Skifahren gelernt. Stoppen konnte er seine rasante erste Fahrt auf dem Hang nur durch die Umarmung eines Baums. Porträtiert haben die Rieder Schüler/innen auch Frauen, die der Liebe wegen nach Österreich gekommen sind. Wie eine 68-jährige Kolumbianerin, die vor vielen Jahren nach Ried kam und ihr Rückfahrticket in die Heimat dank glücklicher Ehe nie mehr einlöste. Manche der Migranten wollen die Interviews bewusst nützen, um Vorurteile abzubauen. Unter dem Titel „Türkische Familie – aufgeschlossen und modern“ erzählt eine 33-jährige Türkin von ihrem Leben. Ihr Motto: „Ein Kopftuch bedeckt meine Haare, nicht mein Gehirn“.
Migration in Ried
Schüler/innen des BG/BRG, der HAK/HAS, des BORG Ried haben die Schautafeln gestaltet. Diese werden im Rathaus und in Schaufenstern einen Monat lang gezeigt. Eröffnung der Ausstellung ist am Fr., 9. November, um 16 Uhr im Rathaus Ried.