Keiner hat Zeit, alle sind eingespannt bis aufs Letzte. Selbst wenn jemand in Pension gegangen ist – Zeit hat er trotzdem nicht. „Ich bin fast mehr beschäftigt denn je“, bekommt man bisweilen zu hören – als ob es eine Schande wäre, Zeit zu haben. Besucht man die Verkaufstempel, wo Freizeitprodukte – vom Sportgerät bis zu Reiseangeboten – präsentiert werden, so mag man sich wundern. Für wen ist das alles gedacht, wo doch niemand Zeit zu haben scheint? Da beantwortet sich die Frage, wo denn die fehlende Zeit hingekommen ist.
Nicht das Maß an Zeit ist das Problem, sondern eher das Wozu. Mit der Zeit ist es wie mit allem Kostbaren. Es ist die Frage, ob ich sie nur für mich selbst haben will oder ob ich davon auch etwas abgebe. „Ich habe keine Zeit“ heißt manchmal doch nur: „Ich will meine Zeit für mich selber haben!“ Der geizige Umgang mit den Dingen und mit der Zeit lässt letztlich einsam zurück. Geteilte Zeit mehrt Leben. Da kommt vieles zurück. Dem läuft die Zeit davon, der sie nur für sich selber beansprucht. Eine Stunde für mich allein bleibt eine Stunde. Die Stunde mit einem Zweiten geteilt ist eine doppelte Stunde.