Unmittelbar vor der Karwoche wurde Franziska Jägerstätter zu Grabe getragen. Es ist wie eine Botschaft, denn sie steht für gelebte Osterhoffnung: Da werden Dinge, die einem gewöhnlich sehr groß und wichtig erscheinen, klein. Die sieben Jahrzehnte, die sie ohne den von den Nationalsozialisten ermordeten Franz Jägerstätter leben musste – mit all dem Schweren und oft nicht verstanden – erscheinen auf einmal kurz.
Gestern, morgen und heute fließen zusammen in eines. Jetzt erst steht die ganze Geschichte vor Augen – wozu der Weg der Täter von damals und wohin der leidvolle Weg des Glaubenszeugnisses geführt hat. Selbst der Hauptwunsch der Menschen nach einem langen, gesunden und glücklichen Leben erscheint in dieser Sicht nicht mehr als vorrangigstes Lebensziel. Entscheidender ist, ob jemand in der Wahrhaftigkeit bleibt. Dass Menschen glücklich leben sollen, gehört zur Gottesbotschaft, aber das ganze und volle Glück verlangt bisweilen den Umweg über ein Leid: nicht, weil Gott es so verlangt, sondern weil Menschen einander nicht gut sind. Karfreitag und Ostersonntag lagen für Franziska Jägerstätter nahe beisammen. Erst das Osterlicht erlaubt den ganzen Blick. In diesem Licht heute zu leben – das ist Glaube.