Die Franziskanerin Anna Mayrhofer ist Sozialarbeiterin und leitet in Wien eine neue Schutzwohnung für Frauen, die Opfer von Frauenhandel und Zwangsprostitution sind.
Am Anfang stürzte sie „von einer Betroffenheit in die andere“. All die Geschichten von Frauen, die von sexueller Gewalt betroffen sind, waren oft schwer verdaulich, erzählt Schwester Anna Mayrhofer. „Im Laufe der Zeit lernt man auf der einen Seite damit umzugehen, auf der anderen Seite muss man stets Einfühlungsvermögen bewahren, weil man bei jeder Frau wieder von vorne anfängt“, so die Niederösterreicherin, die sich selbst als Arbeitsmensch, als direkt, zielstrebig, hart, aber herzlich beschreibt. Geholfen hat ihr bei der Arbeit mit den Frauen auch ihr Glaube. Als Franziskanerin der Missionarinnen Mariens war Anna Mayrhofer 19 Jahre in Osnabrück, studierte dort Sozialarbeit und arbeitete 13 Jahre bei „Solwodi“. Der von Sr. Lea Ackermann gegründete international tätige Verein setzt sich für die Opfer von Frauenhandel und Zwangsprostitution ein.
Nach dieser Zeit war geplant, in die Mission nach Mexiko zu gehen. Doch es kam anders. „Meine Ordensoberen haben mich zunächst gebeten, in unseren Ordensgemeinschaften in Österreich zu helfen. Gleichzeitig gründeten Mitte Oktober 2012 sechs österreichische Frauenorden im Kampf gegen den Frauenhandel ,Solwodi Österreich‘. So wurde ich schließlich gefragt, ob ich hier mit meinen Erfahrungen als Sozialarbeiterin mitarbeiten möchte. Also bin ich nun wieder bei ,Solwodi‘ gelandet und leite in Wien eine Schutzwohnung für Frauen.“
Kloster
Anna Mayrhofer ist in Loosdorf bei Melk auf einem Bauernhof aufgewachsen und kommt aus einer sehr katholischen Familie. „Seit ich mit 13 Jahren ein Buch unserer Ordensgründerin Hélène de Neuville Chappotin gelesen habe, von der ich sehr fasziniert war, stand ich immer mit einem Bein im Kloster.“ Auch ans Heiraten dachte sie, doch letztlich war ihr klar, „Gott will mich im Kloster haben“ und so trat sie in den Franziskanerorden ein.