Ein frisches weißes Hemd – und schon ist es passiert. Man hat das Gefühl, alle starren nur auf diesen winzigen Flecken. Mit „Weiß“ hat man es nicht einfach. Den „Weißen Sonntag“ nennt man den Sonntag nach Ostern.
Das hat mit dem Taufkleid zu tun, das man den neu aufgenommenen Christinnen und Christen einst angezogen hat. Doch die „weiße Weste“ zu bewahren ist auch da nicht leicht. Zu sehr ist unsere Gesellschaft dahinter her, aufzuspüren, ob sich nicht doch irgendwo ein schwarzer Fleck an jemandem ausmachen lässt. Man wird sie schwer los. Die Sündenregister bleiben gespeichert und abrufbar. Den Weißen Sonntag nennt man heute auch den Sonntag der Barmherzigkeit. Dass Menschen einander nicht an ihren Fehlern und Sünden messen sollen und dass man sie nicht darauf festnageln darf, darum geht es. Um Barmherzigkeit also. Der christliche Glaube steht so ganz quer zum Üblichen: Es ist möglich, dass du von der Schuld wegkommst. Nicht die Flecken auf dem Gewand deines Lebens zählen, es ist das Weiß, das von Gottes Barmherzigkeit herrührt, und auch daher, wenn Menschen sich daran ein Beispiel nehmen. So hat ein Mensch Würde. Unschuldig nicht, aber entschuldigt. Weiß.