Ein runder Geburtstag, viel Nostalgie und wenig Hoffnung auf Zukunft
Es ist ein trauriger 50er, den die Musik-Kassette heuer feiert. In ihrer Glanzzeit als Hörspiel oder Mix-Tape allgegenwärtig, sieht sie zu ihrem Jubiläum dem Ende ihrer Ära entgegen.
„Dei hohe Zeit is lang vorüber ...“, einst von der Kassette selbst abgespult, ist dieser Satz nun sinnbildlich für ebendiese geworden. Eigentlich als Diktiergerät gedacht, begann 1963 die Audio-Kassette ihren Siegeszug. Und mit ihr sollte nichts mehr so sein, wie es davor war. Plötzlich war es möglich, Musik direkt vom Radio aufzunehmen und zeitlich ungebunden wiederzugeben. Eine grundlegende Veränderung des jugendlichen Musikkonsums nahm ihren Lauf.
Musik für unterwegs
Als Sony 1979 seinen Walkman auf den Markt brachte, war die Revolution endgültig perfekt: Die Musik wurde mobil. Und auch die Musikindustrie reagierte. Sie erfand die Leerkassettenabgabe, den analogen Vorläufer der Festplattenabgabe. Doch auch dies tat der Popularität der Kassette keinen Abbruch. Allein in Deutschland gingen Anfang der 90er Jahre 70 Millionen Kassetten im Jahr über den Ladentisch.
Kinderzimmer bis Auto
Die Kassette wurde zum Lebensbegleiter. In Kindertagen erfreute man sich an Hörspielen wie „TKKG“ „Bibi Blocksberg“ oder „Fünf Freunde“, um sich dann mit zunehmendem Alter die Lieblingssongs aus den „Austria Top 30“ aufzunehmen. Später wurden für die Busfahrten zum Skikurs oder für die ersten Fahrten mit dem eigenen Auto Mix-Tapes mit den Lieblingssongs zusammengestellt.
Früher war alles besser
Mitnichten. Auch wenn es nostalgische Gefühle hervorruft: Das Aufnehmen von Songs auf eine Kassette war zeitintensiv und umständlich. Hier mal die Abmoderation beim Aufnehmen vom Radio übersehen, da mal die Länge des Bandes unterschätzt. Fade out auf Seite A, Fade in auf Seite B, dazwischen eine Minute Pause fürs Kassette umdrehen – das erfreut den Musikliebhaber!
Diese Umständlichkeit führte zum Untergang. Den ersten Rückschlag brachte die beschreibbare CD, ehe sich Ende der 90er Jahre ein Phänomen namens „Napster“ im Internet breitmachte und mit dem ungezügelten Austausch von MP3s ein neues Zeitalter in der Musikwelt einläutete.