Ausgabe: 2013/15, Volksbegehren, Kirchenprivilegien, Niko Alm
10.04.2013
- Hans Baumgartner
„Ganz Österreich stimmt erstmals über die Kirche ab.“ Mit dieser Schlagzeile wird man auf der Homepage der Betreiber des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien begrüßt. Damit die Stoßrichtung auch klar ist, prangt darunter ein Bild von Kardinal Christoph Schönborn. Da klingen die Beteuerungen des Volksbegehrens-Sprechers Niko Alm, dass sich die Initiative nicht gegen die Kirche richte, sondern nur gegen deren staatliche Bevorzugung, schon recht seltsam. Aus vielen Äußerungen der Volksbegehrensbetreiber geht klar hervor: das Hauptziel der Angriffe ist die katholische Kirche. Fast schamhaft verschwiegen wird, dass die Forderung, kirchliche Privilegien abzuschaffen, auch alle anderen Kirchen und anerkannten Religionsgemeinschaften trifft, also auch die evangelischen und jüdischen Privatschulen, auch den orthodoxen oder muslimischen Religionsunterricht etc. Aber man glaubt wohl, dass man öffentlich damit punkten kann, wenn man die „große“ katholische Kirche angreift und sich nicht an Kirchen und Religionsgemeinschaften „vergreift“, die ohnedies eine Art Minderheitenstatus haben. Das könnte ja das angeblich „liberale“ Mäntelchen, das sich die Volksbegehrensbetreiber gerne umhängen, beschmutzen. Aber wie schreibt der tatsächlich als „liberal“ geltende Journalist Hans Rauscher im „Standard“: „Das Volksbegehren scheint weniger von liberalem, aufklärerischem Denken als von antiklerikalen Ressentiments getragen zu sein.“ Das Volksbegehren hat aber auch sein Gutes: Kirchen und Religionsgemeinschaften stellen ihren Dienst für das Gemeinwohl des Landes jetzt klarer dar als bisher. Und das ist gut so. Kommt und seht!
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