Kürzen. Reduzieren. Weglassen. Das ist die Kunst der Medienbranche. Zeitungsartikel werden kürzer, Fernsehberichte in Sekunden gemessen. Die Dinge – sagt man – werden auf den Punkt gebracht, denn was lange ist, wird nur von wenigen wahrgenommen. Ein Satz, der sitzt, muss reichen. Viele geben sich mit solchen Slogans zufrieden.
Man meint, damit die Sachverhalte auf das Wesentliche reduziert zu haben – und hat es damit erst recht verloren. Gerecht wird man einer Sache nur, wenn man sie in ihrer ganzen Vielfalt anschaut. Aber solche differenzierte Betrachtungsweisen haben auf den Miniformaten der Smartphones nicht Platz. Also diskutiert man nicht mehr, sondern twittert und postet. Die Zeit des langen Erzählens scheint vorbei. Gegen die ständige Reduzierung von Wahrheit und Welt auf Mindestmaße hin gilt es sich zu wehren. Die Weite muss man zurückerobern. Nicht nur das schon Bekannte, die schon Etablierten und das Übliche haben Geltung. Die aufblühende Natur führt es jetzt vor Augen: in der fast verschwenderisch anmutenden Vielfalt liegt das Leben. Wer alles nur auf den Punkt zu bringen meint, ist schnell beim Nullpunkt angekommen.