Die Industriellenvereinigung will die Donnerstag-Feiertage auf Freitag verlegen. Damit ließe sich die Produktion besser planen, die durch die vielen „Zwickeltags-Urlaube“ gestört werde. Zugegeben, es gibt sie, die Künstler der Urlaubsplanung, die durch eine geschickte Ausnutzung von Feiertagen sich mit dem Verbrauch weniger Urlaubstage schöne Urlaubsstrecken herausholen. Nur – Urlaubstage müssen in der Regel vom Betrieb erst einmal genehmigt werden und damit lässt sich durchaus eine Planungssicherheit herstellen. Und warum geht man ausgerechnet nur auf die kirchlichen Feiertage los und verlegt nicht auch den 1. Mai oder den Nationalfeiertag, wenn sie „ungünstig“ fallen, auf einen anderen Tag? Nur weil viele Leute nicht mehr wissen, warum z. B. Christi Himmelfahrt auf einen Donnerstag fällt (40 Tage nach Ostern)? Aber, wer weiß, warum wir ausgerechnet am 26. Oktober den Nationalfeiertag begehen, dass er an die Verabschiedung des Neutralitätsgesetzes erinnert, das eine wesentliche Bedingung für die Wiedererlangung der Souveränität Österreichs war?
Feiertage haben einen tieferen Sinn – und man kann sie daher nicht verschieben, sondern nur abschaffen. Damit aber schafft man auch ein Stück „Volkskultur“ und Zeitwohlstand ab. Bevor man das tut, sollte man ernsthaft darüber debattieren, wie viele Lebensbereiche noch dem Diktat der Ökonomie geopfert werden sollen. Das gilt übrigens auch für den Vorstoß der „dayli“-Kette, die alle 885 Filialen am Sonntag aufsperren will. Zur Versorgung der Bürger/innen ist das sicherlich nicht notwendig. Es geht um den Konkurrenzvorteil. Geld gegen Muße und Sinn – das ist ein zu hoher Preis.