Josefa Theresia Münch gehört zu jener Handvoll Frauen, die die Konzilsbischöfe auf die „Frauenfrage“ in der Kirche hingewiesen hat. 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hält sie ihre Bemühungen für gescheitert, in der Kirche ist sie aber dennoch engagiert.
„Das Konzil und die Frauen. Pionierinnen für Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche“ heißt das Buch, das die Linzerin Maria Prieler-Woldan verfasst und am 23. April 2013 präsentiert hat. (Die KiZ stellte das Buchprojekt 2012 vor.) Neben Gertrud Heinzelmann, Iris Müller und Ida Raming hat Josefa Theresia Münch eine Reihe von Anliegen an die Bischöfe des Konzils gerichtet: von der Änderung frauendiskriminierender Canones im Kirchenrecht über frauengerechte Sprache in der Liturgie bis zum Diakonen- und Priesteramt für die Frau.
In der Pfarre aktiv
Wenn die heute 83-jährige Josefa Th. Münch auf ihren Einsatz blickt, fällt ihre Bilanz nüchtern aus. In ihrem wichtigsten Anliegen, der Öffnung des Priesteramts für Frauen, ist sie gescheitert. Im Gebet und im Aufopfern des Misserfolgs in der Eucharistiefeier, die sie täglich besucht, hält sie ihr Scheitern aus, erzählt sie. Trotz allem ist sie in ihrer Pfarre in Laupheim (Diözese Stuttgart-Rottenburg) aber bis heute engagiert: als Organistin, als Lektorin und im Krankenbesuchsdienst. Münch hat nach der Lehrer/innenausbildung zwar das Theologiestudium absolviert. Um unabhängig zu bleiben, war sie nie im kirchlichem Dienst. Sie ging als Rektorin einer großen Realschule in Pension. Sich zur Priesterin weihen zu lassen, wie Ida Raming und Iris Müller das 2002 getan haben, kam für Münch nicht in Frage: „Ich habe nicht nur um das Priesteramt der Frau, sondern auch viel um die Einheit der Kirche gebetet. Dass diese Weihe Spaltung bringen würde, war mir klar. Das wollte ich nicht.“ Aber das Thema lässt sie – und viele in der Kirche – einfach nicht los. „Ich denke, dass der Heilige Geist, die Geist-Person, dahintersteckt.“ In dem Buch „Das Konzil und die Frauen“ hat die Autorin Prieler-Woldan ein spannendes Stück Kirchengeschichte in Erinnerung gerufen, das aber alles andere als vergangen und abgeschlossen, sondern bis in die Pfarren hinein bleibend aktuell ist.
Das Konzil und die Frauen. Pionierinnen der Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche, Maria Prieler-Woldan, herausgegeben von der Frauenkommission der Diözese Linz, Wagner Verlag, Linz 2013, 197 Seiten, 21 Euro.