Vor kurzem zeigte ORF III einen ganzen Themenabend über verschiedene Praktiken des „Grünwaschens“. Gemeint ist damit, dass sich – meist große – Konzerne, aber auch mit „ethic“ gekennzeichnete Investmentfonds ein sozial und ökologisch nachhaltiges Image verpassen, das bei näherem Hinschauen aber bloß Fassade ist. Da werden „grüne“ Fonds aufgelegt, in denen sich Erdölfirmen und Waffenproduzenten tummeln, da wird mit einem 15-Millionen-Werbebudget die „saubere“ Atomkraft propagiert, während derselbe Konzern nach Schließung seiner Uranmine in Gabun einen ganzen Landstrich und Tausende Menschen verseucht zurücklässt (siehe auch Thema "Vom Uranabbau bedroht").
Und in Österreich? Da macht ein großer Turbinenbauer (Andritz) ein dickes Millionengeschäft mit einem Kraftwerk am Xingú, einem Nebenarm des Amazonas. Das Problem dabei: Das Kraftwerkskonsortium setzt sich über zahlreiche Auflagen der Behörden einfach hinweg und schert sich einen Dreck darum, dass von der brasilianischen Bundesanwaltschaft mehrere Verfassungsklagen – u. a. wegen der Vertreibung der Indianer – eingeleitet wurden. Das sei „interne“ Angelegenheit Brasiliens, sagt der heimische Turbinenbauer. Gleichzeitig aber gibt er sich auf seiner Homepage einen Hochglanzanstrich, was soziale und ökologische Verantwortung sowie die Rücksichtnahme auf lokale Gegebenheiten und Werte angeht. Wiederholt wird betont, dass Gewinnmaximierung nicht das oberste Prinzip sei – die Wahrheit ist allerdings eine andere: Das Kraftwerk Belo Monte löst eine riesige ökologische, wirtschaftliche (für die kleinen Leute) und soziale Zerstörungsflut aus. Der Vater ist die Gier.