Subsidiarität – das ist ein gestelztes Wort, das möglicherweise nicht wenige davon abhält, hier noch weiterzulesen. Subsidiarität – das ist das, was wir in den vergangenen Tagen österreichweit erlebt haben: Zehntausende Freiwillige haben gemeinsam mit den Bürgermeistern vor Ort, mit Bezirks- und Landeseinsatzstellen angepackt und geholfen – oft bis zum Umfallen, ganze Nächte hindurch. Vor Ort hat sich das Netzwerk der Hilfe und Solidarität aufgebaut und dort, wo es nötig wurde, Unterstützung von weiter „oben“ geholt. „Große“, gummistiefeltragende Politiker waren dazu nicht notwendig.
An der jüngsten Hochwasserkatastrophe wird klar, warum der Zungenbrecher „Subsidiarität“ zu den Grundprinzipien der Katholischen Soziallehre zählt. Damit ist nämlich gemeint, dass jede und jeder dort, wo er oder sie steht, Verantwortung trägt. Dort, wo die Menschen das ernst nehmen und ihre Verantwortung auch wahrnehmen, wird Gesellschaft aufgebaut, Zusammenhalt gefördert, Solidarität gelebt.
Subsidiarität lebt davon, dass die Menschen bereit sind, nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Gemeinwesen Verantwortung zu tragen. Nachbarschaftshilfe und Freiwilligenarbeit gehören da ebenso dazu wie die Gestaltung des Pfarr- und Gemeindelebens, die Unterstützung regionaler Projekte oder die Beteiligung an politischen bzw. zivilgesellschaftlichen Prozessen. Politik hat die Aufgabe, subsidiäre Netzwerke zu fördern und nicht – wie das leider nicht nur in der EU zu oft geschieht – die Verantwortungsbereitschaft der Menschen durch obrigkeitliche Regulierungswut und Bevormundung zu untergraben.