BRIEF_KASTEN
Irgendwo in Ritzen, Höhlen, verborgenen Winkeln oder in der Erde verbringen die Schmetterlinge den Winter – manche Arten im Raupenstadium, andere als Puppen, etliche als fertige Schmetterlinge in der Winterstarre.
Man sieht diesen Winterschmetterlingen nicht an, welch wunderschöne Wesen sie sein werden, sobald die Frühlingssonne sie weckt.
Verwandlungskünstler sind sie. Als wären es ganz unterschiedliche Tiere, durchlaufen sie ihre Lebensstadien.
Auch in Menschen steckt Wandlungsfähigkeit. Ein Mensch ist nicht bloß ein Körper, der nur nach physikalischen oder chemischen Gesetzen reagiert: Schlag auf Schlag, Zahn um Zahn. Gerade das macht das Menschliche aus.
Ein Mensch wächst beständig aus sich heraus – von der Puppe zum Schmetterling. Böses können Menschen zum Guten wenden. Aus der Wut können sie Erbarmen entwickeln. Aus einem, der sich wie eine Raupe durch das Leben frisst und alles für sich selber haben will, kann ein freigiebiger Mensch werden. Aus einem Anderen, über den ich mich ständig ärgern muss, kann mein Retter werden. Wir kennen Menschen nur im Stadium ihrer Gegenwart – nicht als jene, die sie sein werden.
Das ist die Stärke des christlichen Menschenbildes: Es nagelt den Menschen nicht darauf fest, was er jetzt ist oder war. Es traut ihm den Wandel zu – zum Schmetterling.
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>