BRIEF_KASTEN
Man hat es geahnt, gewusst sogar. Einmal würde es so weit sein. Aber wenn es dann so weit war, traf es einen doch mit Wucht. Der Tod eines nahestehenden Menschen – oder ein schwerer Abschied. Und jetzt, kaum jemand hat es wirklich geahnt: Krieg.
Es ist ein tiefes Empfinden von Ohnmacht, in das Menschen aus dem Lauf ihrer Selbstverständlichkeiten gestoßen werden. Was man tun kann, ist wenig. Den Lauf der Ereignisse mag es wohl kaum zu drehen.
Für die meisten Menschen bleibt vor allem eines: Traurigkeit. Und niemand will gern traurig sein. Doch Trauer und Angst – das sind Äußerungen von Lebensliebe. Trauer ist, wo eine Liebe ist. Angst, wo es um Kostbares geht.
Der kriegerische Überfall auf die Ukraine hat viele Menschen in eine schier lähmende Ohnmacht gestürzt. Das so nahe Geschehen geht auch nahe. Verstehen lässt sich da nichts, erklären auch nicht. Damit wird man jetzt leben müssen. Aber auch: Leben dürfen. Trotz allem. Und das ist viel – und niemals selbstverständlich.
Christinnen und Christen rufen sich in der Fastenzeit die Ohnmacht Jesu am Kreuz in Erinnerung – und die Trauer seiner Liebsten unter dem Kreuz. Der christliche Glaube predigt keine Ideologie der Stärkeren. Die Leidenden, die Ohnmächtigen stehen in Gottes Nähe. Hoffen darf man, weil es so viele Trauernde gibt.
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