BRIEF_KASTEN
Die Politik muss auf die Menschen hören. An den Zapfsäulen der Tankstellen und an den Supermarktkassen, kommentieren manche, könne man die Sorgen und die Unzufriedenheiten der Menschen besonders gut spüren – wie diese sich das Leben angeblich kaum mehr leisten könnten.
Wenn es nur so einfach wäre! Da ist die Unzufriedenheit des Gastes, der das Steak zurück in die Küche schickt. Er wollte es doch halb und nicht ganz durchgebraten haben. Dies ist eine ganz andere Art Unzufriedenheit als jene, die seine Großmutter kannte, als sie damals kaum wusste, womit sie ihre Familie satt kriegen könnte, weil in den Geschäften nichts zu kriegen war.
Oder: Da ist die Frau, die einen Vormittag lang im Wartebereich einer Ambulanz ausgeharrt hat. Sie wird sich ärgern – und doch froh sein, wenn ihr dann geholfen werden konnte.
Wir sorgen dafür, dass ihr zufrieden sein werdet! Das ist das trügerische Versprechen einer Politik, die den Menschen nach dem Munde redet. Sie unterscheidet nicht zwischen der Betroffenheit aus echter Not und der verwöhnten Unzufriedenheit derer, die sich an ihren Lebenskomfort sosehr gewöhnt haben, dass ihnen jede Abweichung zuwider ist. Manchmal redet sie den Leuten ihre Unzufriedenheiten erst ein: Ihr wisst gar nicht, wie übel man mit euch umgeht! Ihr könntet es viel besser haben.
Unzufriedenheit kann auch eine heilsame Unruhe im Herzen sein. Sie beschuldigt nicht, sondern sucht nach den eigenen Möglichkeiten, ihr zu begegnen.
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