BRIEF_KASTEN
Eigentlich kann ich mich nicht erinnern, dass ich gegen Ende Oktober nochmals den Rasen mähen musste. So wenig das Gras in den Sommermonaten gewachsen ist, so sehr sprießt es zu meiner Überraschung jetzt noch ganz beachtlich. Die Natur scheint den Drang zu haben – wenn möglich – das Versäumte zumindest ein wenig nachholen zu wollen. Da es in meiner Heimat in letzter Zeit doch immer wieder einmal geregnet hat, ist das möglich. Das „Bemühen der Natur“ auf die gesamte Vegetationsperiode hin gesehen die Verluste zu begren-zen, ist faszinierend und für die Landwirte, die nochmals Futter mähen können, natürlich ein Segen. Man kann der Natur dankbar sein, wie gut sie es mit den Menschen meint. Und dennoch darf man nicht zur Tagesordnung übergehen. Die Hitze und Trockenheit des Sommers sind nicht dem Zufall geschuldet und die Dürre und immensen Ernteausfälle schon gar nicht. Die aktuelle gute Situation darf uns nicht vergessen lassen, wofür die Sommermonate stehen: für eine veritable Klimakrise, die nun auch in unseren Breiten angekommen ist. Das aktuelle Grün kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Klimawandel dringend Antworten braucht. Wenn man nur ein wenig genauer in den wieder scheinbar normal grünen Garten schaut, merkt man, wie verwundet die Grasnarbe ist. Wieder alles in Ordnung ist gar nichts. Wir dürfen nicht Klimanot-vergesslich sind. Handeln ist angesagt.
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