BRIEF_KASTEN
Warum? Warum? Warum? Alles wollen Kinder wissen, wenn sie zwei, drei Jahre alt sind. Ist man gut drauf, nimmt man ihr Fragen geduldig, oft witzig sogar auf. Dann wieder staunt man über die Tiefe einer Frage und das Warum lässt einen selbst innehalten. Warum? fragen die Kinder, weil sie Gott und die Welt noch nicht so recht verstehen. Sie möchten wissen, wieso alles ist, wie es ist. Deshalb zerlegen sie Sachen, wollen in deren Inneres schauen und stecken Dinge in den Mund, bei denen sie es besser nicht getan hätten. Irgendwann werden diese Fragen seltener. Jetzt bedeutet nicht mehr jeder Spaziergang eine intellektuelle Herausforderung für die Eltern.
Doch auf einmal sind es nicht mehr die Kinder, mehr und mehr sind es nun die Alten selbst, die sich mit diesen bohrenden Warum-Fragen in ihren Betten wälzen. Sie verstehen die Welt nicht mehr. Die früheren Gewissheiten sind zittrig geworden. Was längst geklärt erschien, steht wieder in Frage.
Was sie hinter sich zu haben meinten, sehen sie wieder vor sich: Wie man nur den Frieden wieder so sehr aufs Spiel setzen kann! Wie man einfach nicht mehr weiß, wohin die Wege der Menschheit führen. Wie man sich auf einmal nicht mehr über das Öffnen von Grenzen freut – was war das doch für ein Jahrhundertereignis! –, sondern sie neu hochzieht.
Wie gefährlich so viel Neues scheint, und wie man nicht weiß, an wen man sich halten kann.
Warum? Warum? Warum? Vielleicht müsste man die Kinder fragen.
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