BRIEF_KASTEN
Gründe, in ein anderes Land zu fahren, gibt es viele. Ich kann eine Kulturreise machen, einen Strandurlaub, ein Wellness-Wochenende mit den Freundinnen.
Oder ich trete die Reise an, weil ein Wahnsinniger mein Heimatland angreift und mir gar nichts anderes übrigbleibt, als zu fliehen.
Angesichts dessen fällt es mir heuer schwer, Urlaubspläne ohne schlechtes Gewissen zu machen. Vor gut einer Woche sind die ukrainischen Eltern unserer Nachbarin samt Hund aus Kiew gekommen und wohnen nun direkt neben uns.
Oder sollte ich sagen, sie sitzen fest? Ich frage mich, ob sie es wohl so empfinden. Ich jedenfalls empfinde gemischte Gefühle, wenn ich davon träume, einfach so nach Frankreich, Schweden oder sonst wohin zu fahren, während sie vermutlich am liebsten nach Hause wollen. Einem im positiven Sinne langweiligen Alltag nachgehen, während ich daraus ausbrechen und Abenteuer erleben möchte.
Stimmen aus meinem Freundeskreis meinen dazu, dass ich mein eigenes Leben trotz der zahlreichen Konflikte auf dieser Welt genießen kann und muss, denn darauf zu verzichten, hilft weder den vom Krieg Betroffenen noch mir.
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