BRIEF_KASTEN
Talente gilt es zu entdecken – so früh als möglich. Aber irgendwann ist man zwanzig oder gar dreißig – und von Talent spricht niemand mehr – als ob nur junge Leute Talente hätten!
Da ist eine Frau. Sie hat selbst keine Kinder. Als Pensionistin liest sie in der Volksschule mit den Kleinen Geschichten. Eine talentierte Erzählerin also. Wer hätte das gedacht!
Talente – die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die in einem schlummern – gilt es in jedem Alter zu entdecken. Es ist so traurig, wenn sich Menschen in fortgeschrittenen Jahren nur noch als Konsumenten eines immer kleiner werdenden Lebensrestes sehen – und nicht mehr zum Tragen bringen, was in ihnen steckt.
Jemanden trösten. Einen anderen wegen einer Dummheit in die Schranken weisen. Leuten aus ihren Schlamasseln helfen. Gemeinheiten nicht schweigend übergehen. Jemanden besuchen. Geschichten erzählen. Welch Segen ist das, wenn ältere Menschen so ihre Talente zur Geltung bringen!
In den Wirren der Gegenwart braucht es die talentierten Alten, die mit ihrer Erfahrung einer guten Zukunft die Tür offen halten und mehr Freude in die Welt bringen können – und eine Nachdenklichkeit, für die junge Leute möglicherweise weniger Talent haben. In der Natur gibt es die Frühlingsknotenblumen und auch die Herbstzeitlosen. Manches kommt eben erst später zum Blühen. Wie schön, wenn es kommt.
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