BRIEF_KASTEN
Sie zählen zu den bei Menschen beliebtesten Tieren – wie die Singvögel auch. Und das stellt vor das Dilemma.
Tagelang haben die Amseln ihr Nest gebaut, und seit die Jungen geschlüpft sind, waren sie ständig unterwegs, um Futter herbeizuschaffen – bis es eines Tages still um das Nest war.
Die Eichhörnchen sind es gewesen – wie letztes Jahr auch. Zwar ernähren sich diese vorwiegend von Samen und Nüssen aller Art, doch halten sie – wie die Menschen – Ausschau nach „Nahrungsergänzungsmitteln“. Und das sind eben Vogeleier und Jungvögel. Nesträuber also sind sie. Ich sehe sie nun nicht mehr so gerne in unserem Garten.
Mit der Tierliebe ist es nicht so einfach, gilt es doch auch die unliebsamen Seiten eines Wesens mit zu akzeptieren. Auch die guten Amseln haben ihre Brut vorwiegend mit anderem Getier gefüttert. Die Natur kann ziemlich grausam sein.
Es ist ein uraltes Thema. Schon vor etwa 2.700 Jahren war sich der Prophet Jesaja des Dilemmas bewusst. Den neuen Himmel und die neue Erde träumte er so, dass Wolf und Lamm zusammen weiden, statt dass der eine das andere frisst. Amsel und Eichhörnchen? Sie stellen einander ihre Kinder vor. So wird man die Welt nicht erleben. Jesajas Vision ist ein bleibender Impuls: Du, Mensch, finde dich nie ab mit einer Welt, in der das Töten zur Selbstverständlichkeit wird.
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