BRIEF_KASTEN
Die einen halten sich für fortschrittlich – in der Wissenschaft, in der Technik und auch, was den Glauben betrifft. Die anderen gelten als veraltet, primitiv sogar. Die einen halten sich für entwickelt, die anderen gelten als unterentwickelt.
So wurde lange über die Länder der Erde geurteilt. Und dass die Armut vor allem in den unterentwickelten Regionen zu Hause wäre – wen sollte es wundern?
Es ist der hochnäsige Blick, der die Leistungen und Stärken fremder Kulturen geringachtet, während er über eigene Schwächen hinwegsieht. Ganz vergessen wird dabei auch der Anteil an Schuld, der betroffene Regionen ausgebeutet, Menschen versklavt und in die Armut getrieben hat.
Ist es vielleicht umgekehrt? Dass man gerade jene Regionen der Erde, die gemeinhin als die höchstentwickelten gelten, als die entwicklungsbedürftigsten sehen müsste? Viele menschliche Fähigkeiten liegen dort verkümmert darnieder: das Gespür für das „Genug“ vor allem. Man glaubt dort, nur in ständigem Wachstum überlebensfähig zu sein und weiß zugleich nicht, wohin mit allem. Als wertvoll gilt dort, was teuer ist. Menschen leben in beständiger Konkurrenz, sie versuchen sich gegen andere zu behaupten statt mit ihnen.
Ihre Lebenszufriedenheit scheint dort an das Maß der Güter, die man besitzt, gebunden zu sein. Da gehört der reiche Teil der Erde wohl zu den ärmsten Regionen der Welt.
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>