BRIEF_KASTEN
Corona hat bewirkt, was wir sonst nie geschafft haben: abwechselnd stand jemand in der Küche, Geschirrspüler, E-Ofen, Mixer – irgendetwas war immer in Betrieb. Täglich musste beratschlagt werden, was auf den Tisch kommt. Zwischendurch haben mein Mann und ich Unmengen an Kaffeebohnen durch die Maschine rasseln lassen. Gefühlt habe ich stündlich eine Tasse Kaffee getrunken. Was sonst mit Ritualen in der Arbeit – etwa der Kaffeepause – gemeinsam getan wird, hat sich bei soviel Individualisierungszwang vollkommen verselbständigt. Auch sonst geriet manches aus dem Ruder. Die Arbeitszeit genau einzugrenzen war schwer, einen Anruf tätigen, eine Mail beantworten, einen Beitrag schreiben ... geht doch immer. Oh, es ist schon 19 Uhr! Dann nichts wie weg: vom Schreibtisch in die Küche. Das sind nur fünf Meter. Wenigstens haben wir keine Sicherheitsabstände zu beachten. Dafür wäre eine Schulglocke nicht schlecht gewesen. Denn die Home-Schooling-Zeit ist nie ausgeufert. Darauf hat mein Sohn geachtet. Täglich!
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