BRIEF_KASTEN
„Die hat aber einen dicken Popo“ – das waren die kecken und irgendwie ehrlichen Worte eines vielleicht Dreijährigen neulich am Badesee. Ich habe ihn angelächelt und ruhig gesagt: „Ja, das stimmt.“
Die Mutter des Kindes war sichtlich peinlich berührt: „Das sagt man nicht. Körper kommentiert man nicht.“
Ob der Dreijährige die Komplexität dieser Aussage verstanden hat, sei dahingestellt. Ich habe mich jedenfalls sehr darüber gefreut, denn sie macht mich sicher, dass der Kleine von seiner Mama konsequent lernen wird, dass jede:r einen wertschätzenden Umgang verdient – unabhängig davon, wie der Körper aussieht.
Den Körper anderer Menschen zu kommentieren, ist nicht respektvoll. Dinge, die sich nicht in fünf Minuten verändern lassen – wie Körperform, Gewicht, Narben oder Größe – sollten nicht bewertet werden. Natürlich kann und soll man auf Sonnencreme am T-Shirt oder einen offenen Reißverschluss hinweisen – aber alle anderen Bemerkungen über den Körper können verletzen und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen, auch wenn sie nicht böse gemeint sind. Statt das Äußere zu bewerten, sollten wir Eigenschaften, Fähigkeiten und das Verhalten eines Menschen wertschätzen.
Es macht mir Hoffnung, wenn das bei uns jetzt schon die kleinen Kinder lernen.
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>