BRIEF_KASTEN
Von den vielen oft beiläufig beantworteten Rätselfragen hat mich diese Lösung ins Nachdenken gebracht. Es ist ja Erntezeit – und auch, wenn dies wegen der Trockenheit nur beschränkt gilt: die Zeit der Üppigkeit. Viele Menschen haben kaum mehr Bezug zum Ernten. Man bekommt ja fast alles das ganze Jahr.
Auskommen mit dem, was da ist. Das ist die Kunst des Weisen. Auch in der Fülle wird er nicht verschwenderisch mit den Gütern umgehen – sonst reicht die Ernte nicht.
Das gilt im Blick auf die Sachen, die man essen möchte. Doch auch die Seele kennt Zeiten, in denen sie sich von einer lange zurückliegenden Ernte nähren muss. Schnell würde sie verhungern, wenn sie sich nur von dem, was der Augenblick bietet, nähren müsste.
Die Hoffnung zum Beispiel: Lange gilt es oft auszuharren, bis sich ein neuer Hoffnungsschimmer zeigt. Klug, ja weise ist, wer seinen Hoffnungsvorrat nicht mit dem nächsten Zwischenfall schon wieder vergisst. Man kann verschwenderisch leben mit dem, was man an Hoffnung bekommen hat.
Hoffnung, erfahrener Trost, Zuspruch: Das sind Erntegüter des Lebens, auf die man achtgeben sollte, dass sie nicht vergessen oder verschleudert werden. Es kann dauern bis zur nächsten Ernte. Gerade die kostbaren Dinge sind ja die seltenen. Auch eines weisen Menschen Hoffnung währt – vielleicht sogar das ganze Leben.
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