Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin und leitet das Referat für Spiritualität im Pastoralamt der Erzdiözese Wien .
Die Pfarrer- und Pfarrvorständinnen-Konferenz der Diözese Linz hat zusammen mit Bischof Manfred Scheuer und diözesanen Leitungspersonen vom 7. bis 11. September das deutsche Bistum Essen besucht. Im Ruhrgebiet durchlebt die Kirche einen Strukturwandel zwischen Realismus und Hoffnung: Es werden weniger kirchliche Gebäude gebraucht als vor 50 oder 100 Jahren. Was kommt nach der Trauer? Wie kann die weitere Nutzung gelingen? In Essen gibt es Beispiele für Umwidmungen als Arbeitsstiftung für junge Menschen, Suppenküche oder Werkraum der Kunsthochschule. Manchmal wird ein Teil des Gebäudes weiter liturgisch genutzt, sodass zum Beispiel in der Kirche St. Theresia ein Kindergarten und eine Kapelle für Taufen und Hochzeiten zusammen Platz finden. Daraus können neue Chancen entstehen.
Die Pfarrer, Dechanten, Pastoral- und Verwaltungsvorständ:innen sammelten Eindrücke, wie diese Prozesse begleitet und gestaltet werden können. Irmgard Lehner, Leiterin des Bereichs Pfarre & Gemeinschaft der Diözese, erlebte die Studienwoche als bereichernd: „Es wurden anderswo schon Lösungen für Herausforderungen gefunden, vor denen viele Diözesen stehen – auch wir. Kirche ist seit 2.000 Jahren im Wandel: Diesen wollen wir gestalten.“ „Hör auf zu warten“ ist auf einem hölzernen Kunstobjekt in einer ehemaligen Kirche zu lesen.
Auch in der Diözese Linz wird es laut Lehner Schritte brauchen, die Kirche aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen weiterzuentwickeln: „Der aktuelle Gebäudebestand bedeutet eine reale Belastung für unsere Pfarren“, unterstreicht Irmgard Lehner. „Es braucht weniger Gebäude, die vermehrt gemeinsam genutzt werden. Kirchliche Zukunft besteht nicht aus Ziegel und Mörtel, sondern aus Menschen und Charismen.“
Das Bistum Essen liegt in Nordrhein-Westfalen und ist mit 1.877 Quadratkilometer (rund 617.000 Mitglieder) ein flächenmäßig sehr kleines Bistum. Als Reaktion auf die stark rückläufige Katholikenzahl wurde eine umfassende Strukturreform angestoßen und Pfarrgemeinden zu Großverbünden zusammengeschlossen. Zudem gab das Bistum 96 seiner 368 Kirchengebäude auf.

Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin und leitet das Referat für Spiritualität im Pastoralamt der Erzdiözese Wien .
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