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Um genügend Regen beten

GLAUBENS_GUT

Was, wenn alles Beten für mehr Niederschlag nichts bewirkt? Gerade in Krisenzeiten kann Glaube helfen, die Hoffnung zu bewahren, wie der Prophet Jeremia zeigt.  

Ausgabe: 33/2026
11.08.2026
- Judith Moser-Hofstadler, Andrea Mayer-Edoloeyi
Kein Regen in Sicht. Wo sonst Kühe grasen, sieht die Wiese eher wie eine Steppe aus.
Kein Regen in Sicht. Wo sonst Kühe grasen, sieht die Wiese eher wie eine Steppe aus.
© JMH

Die Landwirtschaft erlebt die schwerste Dürre seit Jahrzehnten, die teils massive Ernteausfälle verursacht. Viele tierhaltende Betriebe müssen bereits Ersatzfutter zukaufen oder ihre Tierbestände reduzieren. 


Angesichts dieser anhaltenden Trockenheit bangen Bäuerinnen und Bauern um ihre Existenz. 


Und da alle etwas zu essen brauchen, beschäftigt das auch viele Menschen, die selbst nicht in der Landwirtschaft tätig sind. Die Auswirkungen  der durch den Klimawandel verursachten Trockenheit sind inzwischen auch in anderen Bereichen  zu spüren: eingeschränkte Stromerzeugung durch Wasserkraft, Fischsterben in trockenen Bächen und Flüssen, eingeschränkte Schifffahrt sowie Aufrufe, den Wasserverbrauch zu reduzieren ...

 

Bittgebete blieben wirkungslos


Wie kann Glaube in Zeiten solcher Krisen helfen? Trotz Bittprozessionen und -gebeten im Mai um genügend Regen und eine reiche Ernte, um Schutz vor Feuer und Dürre, verdorrt der Boden. Und das nicht nur in ganz Österreich, sondern europa- und weltweit.


In vielen Kirchen wird nun in den Fürbitten um Regen gebeten. Verliert jemand den Glauben, weil das ohne Wirkung bleibt? Soll das Gebet eher eine Bitte darum sein, in Zeiten von Krisen durchhalten zu können, um den Glauben und die Hoffnung nicht zu verlieren und den Ausgang der Dinge Gott zu überlassen?

 

Trockenheit im Buch Jeremia


Wenn Felder austrocknen und der erhoffte Regen ausbleibt, erinnert die Bibel an eine Erfahrung, die Menschen seit Jahrtausenden begleitet. 
So wird im 14. Kapitel des Buches Jeremia eine verheerende Dürre geschildert: Zisternen bleiben leer, die Erde reißt auf, Tiere finden kein Futter. In ihrer Not wenden sich die Menschen an Gott. Sie beten um Regen, bekennen ihre Ohnmacht und setzen ihre Hoffnung auf das Eingreifen Gottes. Doch der ersehnte Regen bleibt aus.

 

Klage, Zweifel, Hoffnung


Gerade darin liegt die spirituelle Tiefe des Textes. Der alttestamentliche Prophet Jeremia verschweigt weder die Verzweiflung noch die Fragen an Gott. Klage wird zum Gebet, Zweifel dürfen ausgesprochen werden, Hoffnung bleibt trotz ausbleibender Erfüllung bestehen. 


Der Glaube bewahrt nicht vor Krisen, eröffnet aber einen Raum, in dem Menschen ihre Angst und ihre Sehnsucht vor Gott bringen können, ohne vorschnelle Antworten zu erhalten.

 

Krisen treffen nie alle gleich


Diese Erfahrung gewinnt angesichts der Klimakrise neue Aktualität. Eine kritische Bibelauslegung liest Jeremia 14 deshalb nicht als Erzählung von einer göttlichen Strafe, sondern fragt nach den Ursachen des Leids. 
Jeremia wirkte in einem Land, das unter dem Druck großer Reiche, wirtschaftlicher Abhängigkeiten und sozialer Ungleichheit stand. 


Krisen treffen nie alle gleichermaßen – damals wie heute. Während die Vornehmen noch Diener zum Wasserholen schicken können, tragen vor allem die einfachen Menschen die Last der Krise. Besonders Menschen, die von der Landwirtschaft leben, und die Schöpfung selbst tragen die Folgen. Mensch und Natur leiden gemeinsam.


Die soziale Seite der Klimakrise


Damit berührt der Prophet Jeremia eine Einsicht, die Papst Franziskus in der Enzyklika Laudato si’ entfaltet: Die soziale und die ökologische Krise sind untrennbar miteinander verbunden. Wer die Schöpfung bewahren will, muss zugleich für Gerechtigkeit eintreten. Für unsere Zeit kann der Jeremia-Text von vor 2.500 Jahren deshalb ein Hoffnungs- und Ermutigungstext sein. Er verspricht keine schnellen Lösungen, sondern zeigt, dass Beten auch dann Sinn hat, wenn die erhoffte Antwort auf sich warten lässt. Glaube bedeutet, Gottes Gegenwart gerade in der Unsicherheit zu suchen und gemeinsam Verantwortung für die Schöpfung und füreinander zu übernehmen.

 

Konkret tätig werden


Jede:r kann im Alltag etwas für die Umwelt tun, vom regionalen, saisonalen Einkauf von Lebensmitteln bis zu Müllvermeidung. Leichter wird das, wenn man sich mit anderen zusammenschließt.


Wer aktiv wird, erlebt, dass das eigene Handeln etwas bewirken kann. Dieses Gefühl gibt Hoffnung und neuen Mut, auch wenn es nicht sofort sichtbare Früchte trägt.

 

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