BRIEF_KASTEN
Sich für eine gewisse Zeit aus dem dienstlichen Arbeitsrhythmus ausklinken zu dürfen, ist eine tolle Errungenschaft. Da tritt das „Ich muss“ für eine gewisse Zeit einen Schritt zurück, um das „Ich kann“ oder „Ich darf“ nach vorne treten zu lassen. „Ich bin nicht da“ formuliert es ja nicht ganz exakt. Man ist nur an anderer Stelle – da.
Das ist das große Verdienst des Abwesenheitsagenten. Er führt vor Augen: Es ist nicht selbstverständlich, dass jemand für mich da ist. Wenn einmal jemand nicht da ist, fällt einem das ja sofort auf. Dass aber weitaus öfter jemand da ist oder war, neigt man dazu, zu übersehen.
Einen Anwesenheitsagenten – oder eine Agentin – müsste man erfinden. Immer, wenn jemand für mich da ist oder war, macht er – oder sie – darauf aufmerksam: Da war jemand für dich da! Diese Haferflocken hat jemand im Supermarkt ins Regal geräumt. Jemand hat dir das Essen gekocht. Dort hat jemand Milch für dich gemolken. Hier hat jemand ein Schlagloch ausgebessert. Da hat einer für dich etwas Interessantes in der Zeitung geschrieben – oder ein Gedicht verfasst.
Dass jemand da ist. Das ist es, was die größten Weltwunder in den Schatten stellt. Übrigens: Der Name Gottes – JAHWE. Er bedeutet: „Ich bin da“.
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