BRIEF_KASTEN
In meiner Verwandtschaft gibt es Menschen, die für eine Zugauskunft zum Bahnhof fahren. Dort lassen sie sich am Schalter beraten und notieren sich auf einem Zettel die An- und Abfahrtszeiten. Vielleicht wird noch ein Gang zur Bank erledigt, um Erlagscheine aufzugeben. – Als ich kürzlich bei meiner Hausbank war, staunte ich nicht schlecht, wie viele Menschen beim Schalter ihrer Wahl anstanden, um wegen Bankeinzügen, ihrem Sparbuch, unerwünschter Ein- oder Auszahlungen Hilfe zu holen – ich war eine davon.
Seit ich versuche, mein Privat- und mein Diensthandy zu trennen und nun mit zwei Handys durch die Welt laufe, habe ich etliche Gänge zu heimischen Märkten, Banken, Dienstleistern hinter mir. Die Versprechen lauten immer gleich: „Das haben wir gleich. Das ist kein Problem.“ Ich habe da einen anderen Eindruck. Einfach und schnell ging da gar nichts – und noch ist nicht alles geschafft. Dazu kommen noch sämtliche Umstellungen, die zeitgleich für den PC in der Arbeit erfolgen mussten, auch privat hat ein Anbieter plötzlich seinen Mail-Dienst quittiert. In Summe war ich dauernd mit Aktivierungen, Umleitungen und Passwörtern beschäftigt. Wenn dann alles funktioniert, freu ich mich sicher, digital so schnell zu sein wie der Rest der Welt. Aber manchmal ist mir schon danach, wieder persönlich bei der Zugauskunft vorzusprechen ... und das Handy einfach auszuschalten.
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