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Bildung in Zeiten der Herausforderung

GESELLSCHAFT_SOZIALES

Einen Schlussakkord mit Blick in die Zukunft ließ vergangene Woche das Dominikanerhaus in Steyr erklingen: Mit einer Abschlussfeier und einer Podiumsdiskussion schloss das Bildungshaus aufgrund von Sparmaßnahmen seine Pforten.

Ausgabe: 28/2026
07.07.2026
- Heinz Niederleitner
© nie/kiz

Bildungshausleiterin Susanne Gamsjäger betonte zu Beginn der Podiumsdiskussion am Dienstag, was ihrem Team wichtig ist: Bildung, Begegnung, Kirche und Zukunft: Kirchliche Erwachsenenbildung solle auch in Zukunft einen Platz in Steyr haben.
Was Bildung aus kirchlicher Sicht ist, erläuterte Andreas G. Weiß in einem Einführungsvortrag. Der Direktor des Katholischen Bildungswerks (KBW) der Erzdiözese Salzburg und neue Vorsitzende des Forums Katholischer Erwachsenenbildung nannte Bildung in einer ersten Feststellung ein Bekenntnis zu Gott und zu den Menschen. Bei dem mittelalterlichen Theologen und Philosophen Meister Eckhart finde sich die Idee, dass der Mensch sein ganzes Leben lang an sich arbeiten solle, damit Gott in ihm ankommen könne. Gelungene Bildung bewähre sich in Zeiten, in denen der Mensch besonders herausgefordert ist. 

 

Zeit der Entscheidung


Weiß’ zweite Feststellung betraf die katholische Kirche: Das Schifflein Petri sei ein schwer steuerbarer Öltanker. Wenn die Kirche jetzt in einer Zeit der Krise steckt, sei das eine Zeit der Entscheidung, in der man die Richtung ändern könne. Die Kirche habe die zwei Möglichkeiten, sich nach innen oder nach außen zu wenden.
Aus den beiden Feststellungen leitete Weiß das Plädoyer ab, dass sich Christinnen und Christen als Gesandte Jesu nach außen, an die Mitmenschen, wenden. Das christliche Menschenbild bestehe im Zutrauen. Jesus habe seine Jüngerinnen und Jünger befähigt, die frohe Botschaft zu den Menschen zu tragen. Gerade wenn bei Strukturen gespart werde, sei ein Umdenken hin zu einem Bewusstsein der Befähigung notwendig. Einen Befähigungskatholizismus brauche es auch in der Bildung. 

 

Wirtschaftliche Realität


In der Podiumsdiskussion erläuterte Andreas Kaltseis, Leiter des Bereichs Bildung und Kultur der Diözese Linz, wie es zur Schließung des Dominikanerhauses gekommen ist: Die Kirche insgesamt stehe vor einem gewaltigen Umbruch, die Zahl der Mitglieder werde kleiner, für die Jahre 2024 bis 2028 habe die Diözese 17 Millionen Euro einzusparen müssen. Daher sei man genötigt, Schwerpunkte zu setzen. Dass das Dominikanerhaus in Steyr zu den zwei der bislang fünf Bildungshäusern gehört, die geschlossen werden, sei keine Kritik am inhaltlichen Programm, denn „hier wurde gute Arbeit geleistet“, wie Kaltseis sagte. Vielmehr gehe es um wirtschaftliche Realitäten: Der jährliche Zuschuss der Diözese habe zuletzt rund 200.000 Euro betragen.
Die Situation der Kirche und die Schließung des Dominikanerhauses beschäftigten auch Bürgermeister Markus Vogl und Bundesrat Bernhard Ruf, der seitens des Landes OÖ an der Diskussion teilnahm. Beide zeigten sich persönlich mit dem Haus verbunden. 

 

Pfarrliche Reaktion


Die Sicht der neuen Pfarre Steyr brachte die ehrenamtliche Obfrau des pfarrlichen Pastoralrats, Regina Krenn, ein: Als die Pfarre gegründet wurde, habe man bald erfahren, dass das Dominikanerhaus zugesperrt wird – was viele als großen Verlust wahrnehmen. Im Pastoralkonzept habe man mit einem Bekenntnis zur Bildung reagiert. In der Pfarre gebe es fünf Treffpunkte Bildung des Katholischen Bildungswerks mit zahlreichen Veranstaltungen. Dieses Angebot müsse man deutlicher kommunizieren. Zudem brauche die Pfarre Partner, wenn es um Räume und die Finanzierung von Veranstaltungen gehe.  

 

Warnung vor der Brache


Seitens der Vertreter von Land, Stadt und Diözese kam die Zusage, sich nach Möglichkeit für zukünftigen Bildungsinitiativen einzusetzen. Referent Andreas Weiß rief die Verantwortlichen dazu auf, eine gute und zeitnahe weitere Nutzung für das Dominikanerhaus zu finden. Denn wie andere Beispiele gezeigt hätten, „macht es etwas mit einer Diözese, wenn solche Häuser jahrelang brach liegen“.

 

 

 

Zum Foto: Diskutanten im Dominikanerhaus (von links): Referent Andreas Weiß, Moderatorin Susanne Pollinger, Bürgermeister Markus Vogl, Bildungshausleiterin Susanne Gamsjäger, Bereichsleiter Andreas Kaltseis, Bundesrat Bernhard Ruf und Regina Krenn vom pfarrlichen Pastoralrat.

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