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Sozialorganisationen in den Regionen Oberösterreichs unterstützen Menschen, die am regulären Arbeitsmarkt keinen Platz finden. Dort herrscht aktuell Alarmstimmung, denn massive Kürzungen stehen im Raum. Betroffen sind Beschäftigungsprojekte, Beratungsangebote und Frauenberufszentren von 14 verschiedenen Trägern.
Stefan Thurner, Geschäftsführer der Sozialplattform OÖ, des Dachverbands von 46 sozialen Organisationen, zeichnet ein kritisches Bild für Betroffene. Wer im Mai 2026 arbeitslos wurde, erhielt in einem Beratungsprojekt noch acht persönliche Termine zur arbeitsmarktbezogenen Begleitung. Ab August 2026 sind im selben Projekt nur noch drei Termine vorgesehen, die sich auf die Aktualisierung von Bewerbungsunterlagen beschränken.
Thurner warnt, dass dadurch gerade jene Menschen Unterstützung verlieren, die sie am dringendsten brauchen. Der Rückzug von Angeboten aus ländlichen Regionen stehe im Raum. Statt individueller Beratung und Begleitung drohe eine Reduktion auf reine Informationsangebote. Bewährte Angebote würden an Qualität, Reichweite und Wirksamkeit verlieren – mit der Folge, dass weniger Menschen einen (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt schaffen werden.
Die Zahlen des Arbeitsmarktservice OÖ (AMS) unterstreichen die Brisanz. Der Arbeitsmarkt in unserem Bundesland ist an sich stabil, doch die stärkere Betroffenheit von Jüngeren, Älteren und Frauen trägt zu einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit in Oberösterreich bei. Im Juni 2026 waren in Oberösterreich insgesamt 35.974 Personen beim AMS arbeitslos vorgemerkt, zusätzlich befanden sich 10.508 Personen in Schulungen.
Besonders die Langzeitbeschäftigungslosigkeit verfestigt sich: Im Juni 2026 waren 11.402 Personen betroffen, ein Anstieg von 18,3 Prozent zum Vorjahr. „Langzeitbeschäftigungslosigkeit ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, erklärt Stefan Thurner.
Der Grund für den Aufschrei der Sozialplattform sind geplante Förderkürzungen von 25 bis 30 Prozent in vielen Projekten der aktiven Arbeitsmarktpolitik, die bisher aus dem Förderbudget des AMS finanziert wurden. Dabei geht es um ein Gesamtvolumen von 13,5 Millionen Euro für die Jahre 2026/2027 – nach bereits deutlichen Reduktionen in den beiden Vorjahren. Nach aktueller Einschätzung der Sozialplattform sind mindestens 100 qualifizierte Mitarbeiter:innen von sozialen Organisationen von Kündigungen betroffen.
Die Sozialplattform hat den Eindruck, dass Anpassungen seitens der AMS vordergründig entlang vorhandener Budgetspielräume erfolgen und nicht auf Basis einer Strategie, die vom AMS gemeinsam mit Expert:innen aus der Praxis entwickelt werde. Geschäftsführer Thurner ist überzeugt: „Wir stehen vor strukturellen Einschnitten, die sich auf die gesamte arbeitsmarktpolitische Landschaft in Oberösterreich nachhaltig negativ auswirken werden.“
Dabei belegen wissenschaftliche Untersuchungen die Effizienz solcher Investitionen: Ausgaben der aktiven Arbeitsmarktpolitik rechnen sich für den Staat innerhalb von fünf Jahren vollständig. „Da werden Menschen für den ersten Arbeitsmarkt aktiviert – statt sie lediglich als Bezieher:innen von Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe zu verwalten“, erklärt Sozialplattform-Geschäftsführer Thurner. „Soziale Unternehmen entlasten so die öffentliche Hand, sichern Fachkräftepotenziale und stärken die regionale Kaufkraft.“
Kurzfristigkeit
Was Einsparungen konkret bedeuten, zeigt das Beispiel des Frauenberufszentrums (FBZ) in Eferding. Heinz Mittermayr, Obmann des Vereins B7, berichtet, sein Sozialverein sei Ende 2025 vom AMS angefragt worden, das Zentrum in Eferding zu übernehmen. Nachdem man für den Start am 1. Juli bereits vier Berater:innen eine Jobzusage gegeben hatte, kam am 8. Juni die Nachricht vom AMS, dass bei allen Frauenberufszentren 30 Prozent einzusparen seien. Mittermayr zeigt sich erschüttert über die Konsequenzen: „Von den vier Personen, die sich auf die Einstellzusage verlassen und ihre Jobs gekündigt haben, konnte nur eine Person eingestellt werden.“ Er konstatiert bitter, dass durch diese Kurzfristigkeit der Kommunikation viel Vertrauen vernichtet werde. Ulrike Würzburger, Geschäftsführerin von B7, warnt vor dem massiven Qualitätsverlust in der Betreuung. Sie erklärt, dass die Kürzungen, in deren Folge bei ihrem Verein 32 Prozent des Personals im AMS-Kontext ihren Job verlieren, massive Folgen für die Betreuung haben. Für die Kund:innen – arbeitslose Menschen – bedeute dies, dass statt einer Begleitung bei komplexen Hürden nur noch Zeit für reine Verwaltung bleibe, was für eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt eindeutig zu wenig sei.
Das AMS OÖ verweist in einer Stellungnahme auf die Abhängigkeit von Bundesentscheidungen und laufende Verhandlungsprozesse. Landesgeschäftsführerin Iris Schmidt betont gegenüber der Kirchenzeitung, dass man die Anliegen ernst nehme und der Dialog mit den Sozialprojekten wichtig sei. Sie sagt: „Unser gemeinsames Ziel bleibt es, die verfügbaren Mittel verantwortungsvoll einzusetzen und arbeitsmarktpolitische Angebote auch künftig wirksam und bedarfsgerecht auszugestalten.“ Die Arbeiterkammer OÖ sieht Arbeitsmarktpolitik als „Sprungbrett und Sicherheitsnetz zugleich“ und kritisiert die Kürzungen. AK-Präsident Andreas Stangl fordert ein höheres AMS-Förderbudget und den Verzicht auf Kürzungen bei Projekten, die helfen, Vermittlungshindernisse von arbeitslosen Menschen zu überwinden.
Die Sozialplattform mahnt auch die Mitverantwortung des Landes Oberösterreich für den Arbeitsmarkt ein. Diese werde rund um den „territorialen Beschäftigungspakt“ (upperWORK) seitens des Wirtschafts-Landesrats Markus Achleitner auch immer wieder betont. Allerdings wurden beim Land auch schon in den Vorjahren Mittel für sozialökonomische Betriebe gekürzt – parallel zu Einsparungen bei Jugend- und Migrationsprojekten aus Mitteln des Sozialressorts (die Kirchenzeitung berichtete).
Simone Diensthuber, Vorstandsvorsitzende der Sozialplattform und Geschäftsführerin des Sozialvereins IAB, und Sozialplattform-Geschäftsführer Stefan Thurner formulieren in einem offenen Brief an Entscheidungsträger:innen: „Wer heute Unterstützung kürzt, zahlt morgen doppelt.“ Sie weisen darauf hin, dass Einsparungen in der aktiven Arbeitsmarktpolitik zwangsläufig zu höheren Folgekosten in Sozial- und Gesundheitssystemen führen werden. Beschäftigungsprojekte für arbeitslose Menschen seien zugleich kommunale Dienstleister, die Gemeindebudgets entlasten und zu landespolitischen Zielen etwa in der Kreislaufwirtschaft beitragen. Um das zu leisten, bräuchten die Sozialorganisationen Planungssicherheit, eine klare Zukunftsperspektive und die Einbindung in Entscheidungsprozesse.
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