BRIEF_KASTEN
Sie gelten als die Armen – jene eben, die sich neue Sachen wohl nicht leisten können; Leute nämlich, die ihre Kleidung aus dem Secondhand-Laden beziehen. Sie tragen die Klamotten, die anderen nicht mehr gefallen haben.
Gewöhnlich sieht man es den so frisch – neu kann man ja wohl nicht sagen – Eingekleideten nicht an, dass dieses Stück schon von jemandem getragen wurde. Vielleicht war es die Angst der Vorbesitzenden, als uncool zu gelten, sodass sie das noch gute Stück weggegeben haben.
Wenigstens haben sie es nicht einfach weggeworfen, sondern in eine Sammelstelle gegeben – dorthin also, wo jemandem damit geholfen ist und wo jemand sogar Freude damit haben kann. Das ist schon gut.
Auch Sachen kann und soll man bis zu ihrem Ende lieben – und sie auch zu Ende tragen, denn auch Dinge haben ihre Würde. Das ist es, was Menschen, die an „Secondhand“ Freude haben, anderen voraushaben: die Fähigkeit nämlich, sich an Gutem zu freuen, auch wenn es nicht auf dem letzten Stand der Mode ist.
Man könnte, was die Zukunft betrifft, mehr Zuversicht haben, wenn Menschen sich generell mehr am Guten – und sei es das gute alte Stück – freuen könnten, als bloß an Neuem. Nichts verliert schneller an Glanz als das Neue.
Es ist Armut, wenn sich jemand nur an Neuem freuen kann. Eigentlich krankhaft, denn es schadet der Gesundheit – der Welt!
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