BRIEF_KASTEN
Das Wort „systemrelevant“ tauchte in vielen Zusammenhängen auf. Nicht klar definiert war, von welchem System die Rede ist und was Relevanz dafür bedeutet. Wenn Systemrelevanz heißt, dass etwas oder jemand für das Überleben unbedingt notwendig ist, dann gehört Kunst nicht dazu. Religion auch nicht. Spätestens in den kommunistischen Regimes in Mittel- und Osteuropa zeigte sich: Ganze Generationen haben überlebt, ohne sich intensiv mit der Frage zu beschäftigen, ob hinter der dinglichen Oberfläche jemand oder etwas existiert, der, die oder das die oberflächliche Wirklichkeit bedingt und ihr einen inneren Zusammenhang gibt. Der Schatz der Religion liegt, ähnlich wie in der Kunst, darin, dem Leben Tiefe zu geben. Nur, weil sie nicht „systemrelevant“ sind, heißt das noch lange nicht, dass sie unwichtig sind. Ihr Wert liegt gerade im scheinbar Überflüssigen. Auf diesen Schatz sollte eine Gesellschaft nicht verzichten.
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