BRIEF_KASTEN
Wohin geht’s? Eine häufig gestellte Frage ist dies in diesen Tagen. Die Reisebranche erwartet einen guten Sommer. Würde man auf Bahnhöfen, Flughäfen oder Raststationen an Autobahnen Leute fragen, wohin es denn geht – zu wohl 99 Prozent bekäme man eine eindeutige Antwort. Reisende wissen, wohin sie wollen.
Einzelreisenden fällt das Festlegen der Ziele relativ leicht, obwohl auch eigene Wünsche im Widerstreit stehen können. In Familien und Gruppen ist es gar nicht einfach, sich auf ein gemeinsames Ziel zu einigen und sobald die Kinder größer sind, reisen sie auf ihren eigenen Wegen. Trotzdem: Man muss wissen, wohin die Reise geht, sonst wird das Unterwegssein zum ziellosen Herumirren. Und man muss bereit sein, den Preis dafür zu zahlen.
Wohin geht’s? Diese Frage könnte man auch den großen menschlichen Gemeinschaften stellen. Einem Staat wie Österreich. Den politischen Parteien. Der Europäischen Union. Der Wissenschaft. Den Kirchen. Je größer die Gemeinschaften, desto schwieriger wird es mit gemeinsamen Zielen. Man hält sie vielleicht für notwendig, ist aber nicht bereit, den Preis dafür zu bezahlen. Mit den „Klimazielen“ ist es beispielsweise so.
Vielleicht sollte man es wie beim Reisen angehen: Einigen wir uns zuerst auf die Ziele – wohin wir wollen. Und planen wir dann den Weg. Viele der öffentlich geführten Debatten muten eher wie ein Streiten über Wege an, ohne zu wissen, wohin die Reise eigentlich führen soll. So ist man zwar unterwegs, aber nirgendwohin.
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