BRIEF_KASTEN
Was Wladimir Putin in der Ukraine verbricht, ist verrückt. Verrückt klingt auch der Mittelteil im ersten Satz der Leningrader Symphonie von Dmitri Schostakowitsch. Dort hat der geniale Komponist die Fratze des deutschen Angriffs und der Belagerung seiner Vaterstadt im Zweiten Weltkrieg musikalisch porträtiert.
Beide, Putin und Schostakowitsch, wurden in Leningrad (heute wieder St. Petersburg) geboren. Der eine wurde Diktator. Der andere, der Künstler, litt darunter, den Launen insbesondere Stalins ausgesetzt und zweimal kulturpolitisch kaltgestellt worden zu sein.
Man muss aber nicht gleich Schostakowitsch nennen, um festzustellen, dass Putin nicht Russland ist: Trotz enormer Repressalien gab und gibt es Anti-Kriegs-Proteste. Eltern, deren Söhne jetzt in der Ukraine kämpfen, werden kaum hinter der Militäraktion stehen.
Auch die russische Bevölkerung ist Leitragende der von Putin und seinen Helfern herbeigeführten Situation – selbst jener Teil, der das für richtig hält. Ansprachen Putins und des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. legen nahe, dass in Russland ein ideologisches Gegen-Europa geschaffen werden soll. Offen ist, wie das seine Landsleute sehen.
Wladimir Putin hat einen Krieg gegen die Ukraine begonnen. Aber letztlich ist es auch ein Krieg gegen Russlands Bürgerinnen und Bürger – und gegen die Vernunft.
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