BRIEF_KASTEN
Eine „Wolke des Verdachts“ hat sich rasch nicht nur über die Institution ORF gelegt, sondern auch über die mehr als 1.000 Journalist:innen. Sie stehen in der Öffentlichkeit unter Rechtfertigungsdruck für etwas, mit dem sie rein rechtlich nicht das Geringste zu tun haben. Georg Taitl, der Herausgeber der Fachzeitschrift „Journalist:in“, beschreibt nun die Krise als Problem von einigen wenigen Bossen. Auch die ORF-Mitarbeiter selbst haben eine Distanzierungskampagne – „#nicht mit uns“ – gestartet. Das ist verständlich, greift aber zu kurz. Der ORF hat nicht nur ein politisches Strukturproblem. Wenn in einer Organisation sich derartige Formen von Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen breitmachen konnten, ist das auch ein systemisches Problem. Es ist zuerst genau hinzuschauen, wie viele es wirklich waren, die Vorgänge nicht zumindest mit „ungutem Gefühl“ gesehen haben. Wer solche Wahrnehmungen hat, muss künftig gestärkt werden. Die ganze komplexe Situation sollte auch ein Weckruf sein, in die Betriebskultur zu investieren.
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