BRIEF_KASTEN
Vielleicht, weil empfundener Frühlingsmüdigkeit eine Zeit des Aufatmens folgt, eine Lebenslust, die nach vorne schaut.
Es ist 185 Jahren her, dass Emanuel Geibel das Lied mit diesem Titel gedichtet hat. Er freute sich, dass er nach seiner Studentenzeit in seine Heimat Lübeck zurückkehren durfte, und hat das im Gedicht zum Ausdruck gebracht: Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus. Mehr als die erste Zeile ist freilich den wenigsten in Erinnerung geblieben. Ein gewisser Justus Wilhelm Lyra hat im Jahr darauf aus dem Gedicht das Lied gemacht.
Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zuhaus, dichtet Geibel weiter. Vielleicht ist es das, was den Mai gar so beliebt macht: dass man für eine Weile seine Sorgen auch einmal liegen lassen darf, um sich unbeschwert auf Kommendes zu freuen.
Es ist die Freude am Leben in dieser Welt, die man sich nicht verderben lassen soll. Der Mai – wie eine Kostprobe ist er, wie schön die Schöpfung von Gott gedacht ist. „Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht?“, weiß der Dichter in der zweiten Strophe auch um die Ungewissheiten des Lebens. Aber sollte man sich nicht viel stärker auch von der Vorfreude über das, was kommt, als von den Befürchtungen leiten lassen? Es könnte uns besser gegen das Dunkel der Welt wappnen. Mitten im Mai steht heuer Christi Himmelfahrt im Kalender. Man sollte ihn wagen: den Himmelsblick.
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>