BRIEF_KASTEN
Als ich Ende März nach Apulien in Süditalien reiste, wünschte ich mir natürlich auch strahlenden Sonnenschein. Doch es regnete durch, teilweise waren sogar Straßen wegen Überschwemmung gesperrt.
Es hat aber wenig Sinn, über das Wetter zu lamentieren. Das tat auch der Komponist Ernst Krenek nicht, als er sein „Reisetagebuch aus den österreichischen Alpen“ (1929) schrieb. Eines der Lieder dieses Zyklus widmet sich dem Regen: Es gäbe „Regentage, die sehr schön sind“, heißt es. „Unrast, Unternehmungslust und Neugier“ würden „auf Urlaub“ gehen, das „Nahe, Kleine, Einzelne“ empfehle sich der Betrachtung: „eine Pfütze auf dem Weg, das wachsende Bächlein im Straßengraben, eine Bäuerin mit einem Parapluie“ (Regenschirm). Ja, wechselt man die Perspektive, sieht man Dinge anders.
Für mich war das in Apulien die Felsenstadt Matera – ein touristischer Anziehungspunkt. Im Regen aber drängten dort keine Massen: kein Anstellen, niemand läuft ins Foto, im Restaurant gab es Plätze zum Aussuchen. Würde jemand ein Lied mit dem Titel „Matera im Regen“ schreiben, käme es zumindest bei mir nicht auf dem letzten Platz.
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