BRIEF_KASTEN
Zu einem Leserbrief in Ausgabe Nr. 16:
[...] Während meines Studiums in den Jahren 1963 bis 1968 sind wir mit dem wunderbaren Artikel 114 des Zweiten Vatikanischen Konzils aufgewachsen. In diesem Dokument der Liturgie-Reform ist der Begriff „Thesaurus Musicae Sacrae“ zentral verankert und besagt, dass der über Jahrhunderte gewachsene Schatz an geistlicher Musik mit „größter Sorge bewahrt und gepflegt werden soll“. Schon Papst Pius XII. unterstrich in einer seiner Enzykliken (1955) die Bedeutung der Kirchenmusik und ihre enge Verbindung zur „Heiligkeit und Güte“ vielfältiger Formen der Liturgie. In der Zeitspanne von etwa 70 Jahren entwickelte sich nun ein reichhaltiges Repertoire an musikalischen Möglichkeiten, das Lob zu singen und die Größe spiritueller Weisheiten auch musikalisch zu verkünden. Nicht immer war es leicht für uns Musiker, destruktiver Kritik zu widerstehen; denn man sah sich des Öfteren mit Vorwürfen konfrontiert, „gesanglich mehrstimmige, kunstvolle Gottesdienste“ zu gestalten, sich als Chorleiter mit Chor-Orchesterwerken profilieren zu wollen oder die „tätige Teilnahme“ der Gemeinde (participatio actuosa) nicht zu ermöglichen.
Nun ist das „alte Rezept der Kirchenchöre“ – liest man die Ankündigungen zahlreicher Pfarren zu den hohen Feiertagen – traditionell stark vertreten und erfreulich hoch geschätzt und anerkannt. Mag sein, dass das „Singen von hinten oben den Menschen auf den Hinterkopf“ manchen nicht als ideal erscheint: Der heimisch oberösterreichische Ausspruch „da geht der Himmel auf“ vermag jedoch u. a. als bescheidener Ausdruck „mit Sehnsucht gesuchter“ Reflexion für den Klang „von oben“ gelten mögen. Und: Meditatives Zuhören kann jederzeit auch als tätige Teilnahme an den Gottesdiensten aufgefasst werden – ebenso wie sich jede Form musikalischer Umrahmung in liturgischer Lebendigkeit spiegelt.
Uwe Christian Harrer,
Cantus Michaelis, Leonding
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