Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
„Es war mir, als würden meine Hände zu brennen beginnen, wenn ich das nicht weitergäbe.“ So beschreibt es Erna Putz, als ihr Franziska Jägerstätter ein Bündel von Schriften ihres Mannes zeigte und als sie darin zu lesen begann.
Im Winter 1979 wurde die Kirchenzeitungs-Redakteurin Erna Putz nach St. Radegund geschickt, um eine Reportage über die kleine Pfarre zu verfassen. Der Pfarrer brachte sie dabei auch zur Mesnerin, zu Franziska Jägerstätter. Diese Begegnung hat das Leben von Erna Putz auf den Kopf gestellt. Zuerst dachte die 33-jährige Journalistin an eine Pause von zwei bis drei Jahren, um sich Franz Jägerstätter widmen zu können.
Seit ihrem Abschied von der Kirchenzeitung sind inzwischen 46 Jahre vergangen. Erna Putz wurde Pfarrhaushälterin in Ostermiething, um in der Nähe von St. Radegund und Franziska Jägerstätter sein zu können. Pfarrhof, Pfarrheim und Kirche bezeichnet sie als gute Struktur nach innen, um an Jägerstätter forschen und ihn bekannt machen zu können.
„Die Kirchenzeitung war mein Schlüssel nach außen“, betont sie: Das erste Jägerstätter-Gedenken zu seinem Todestag am 9. August hat die Kirchenzeitung 1983 mit einem Bildtext angekündigt. Das hat genügt, um ein enormes Medieninteresse loszutreten. Es sind sogar Fernsehen und Radio gekommen. Die bis heute maßgebliche Jägerstätter-Biografie, die Herausgabe seiner Schriften und Briefe, die Plattform, die sie ehemaligen Wehrmachtssoldaten zur Aufarbeitung ihrer Traumata geboten hat, die Kontakte mit der Friedensbewegung bis in die USA – ihr Engagement war und ist bis heute enorm.
Der Einsatz von Erna Putz hat letztlich auch zur Seligsprechung Franz Jägerstätters 2007 geführt. Die Übersetzungen ihrer Arbeiten in bislang acht Sprachen zeugen von der ungebrochenen Aktualität Jägerstätters. Durch den Kinofilm von Terrence Malick, der 2019 in Cannes Premiere hatte, bekam die Bedeutung Jägerstätters einen weiteren, unerwarteten Impuls. Angeregt durch den Film hat die katholische Bewegung „Communione e Liberazione“ Jägerstätter entdeckt. Mit Wanderausstellungen, in denen besonders das Ehepaar Franz und Franziska im Mittelpunkt steht, ist die Bewegung seit rund einem halben Jahr in mehreren Staaten Europas unterwegs – und mit ihnen Erna Putz als Referentin. Als Nächstes steht für die beneidenswert agile Jubilarin ein Vortrag in Paris am Programm. Franz und Franziska Jägerstätter sind ein untrennbarer, bereichernder Teil ihres Lebens geworden.
Das Team der Kirchenzeitung gratuliert der ehemaligen Mitarbeiterin Erna Putz herzlich zum runden Geburtstag!

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
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