BRIEF_KASTEN
Wo der Tisch steht, kann nicht zugleich das Bett stehen; und wo ein Auto fährt, kommt besser kein zweites zu nahe. Auf dem Sessel, auf dem schon jemand Platz genommen hat, findet nicht in gleicher Weise ein Zweiter Platz. In der Welt der Dinge ist es so. Auch Menschen stellen Platzansprüche, kämpfen darum, behaupten sie.
Aber Menschen sind nicht bloß platzbedürftige dingliche Körperwesen. Seelenwesen sind sie. Das ist geradezu das Menschliche: Nicht in der Platzverteidigung finden sie ihr Glück, sondern in der Begegnung und in der gewagten Nähe zueinander, nicht in der Selbstbehauptung, sondern in der Offenheit füreinander.
Es geht auf Ostern zu. Es ist das Fest, an dem Christinnen und Christen dieses Wunder bestaunen: Die Grenzen des Leiblichen werden überschritten. Geradezu umgekehrt ist es wie bei den Regeln der physischen Existenz: Wo ich bin, da ist Platz für dich. Und wo du bist, da ist Platz für mich. Nicht in der Konkurrenz zueinander, sondern im Leben füreinander erleben Menschen Erfüllung und Glück.
Menschen werden diese „Seelenstärke“ nicht erst in einem fernen Jenseits entdecken. An einem ganz gewöhnlichen Tag wie heute lässt es sich leben und wagen. Das menschliche Zusammentreffen führt nicht, wie beim Auto, zur unheilsamen Karambolage. Es wird zum freudigen Glück.
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