BRIEF_KASTEN
Nicht nur Kinder lieben es. Auch Große überlassen sich, etwas verschämt vielleicht, aber doch, gerne dem Spiel der Schwerkraft auf einer Schaukel. Hinauf, hinab und hin und her. Lustig ist das Schaukelspiel – und interessant, beschreibt es doch Grundbewegungen des Lebens: Jedem Hinauf folgt ein Hinab, doch es ist nicht einfach ein Fallen. Der Abschwung sammelt zugleich die Schwungkraft für ein nächstes Hinauf. Mit wenig Anstrengung kann man so in lustvoller Bewegung bleiben. So hoch wie möglich. So loten die Kinder aus, was sie sich zutrauen können. Und wenn sie müde sind, steigen sie von der Schaukel. Sie sind lange unterwegs gewesen und dabei doch am Ort geblieben. Es gibt diesen Schwung, den man dem Leben verleihen kann, ohne sich ständig fortbegeben oder vom eigenen Dasein davonlaufen zu müssen. Ein Hinauf und Hinab, ein Fort und Heim, ein Hin und Her. Leben eben. Freilich: Dem Hinauf messen Menschen gewöhnlich mehr Bedeutung bei. Der Aufstieg hat Renommee. Das Hinab und Zurück ist weniger angesehen. Man kann es beim Schaukeln üben: dieses lustvolle Sich-auch-wieder-zurückfallen-lassen, einfach, weil es schon hoch genug ist. Nur so bleibt das Leben in Schwung. Wer den Bogen überspannt hat, zu hoch hinaufwollte, ist schon manchmal auf die Nase gefallen. Dann steht das Spiel.
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