BRIEF_KASTEN
Die jährlich publizierten Listen erzeugen dennoch ein Unbehagen – darüber nämlich, wie arglos mit den Begriffen „lebenswert“ und „Lebensqualität“ umgegangen wird.
Es sind „moderne“ Begriffe des aktuellen Jahrhunderts. Zuvor schwebte einer der grausamsten Begriffe aus der Nazi-Zeit im Raum: jener vom lebensunwerten Leben – und wie mit dem als solches bezeichneten umgegangen wurde – in Hartheim und vielen anderen Orten. Auch wenn es in den betreffenden Wertungen nicht um die Menschen selbst, sondern eben um Städte geht, so wird doch zum Ausdruck gebracht: Es gibt Orte auf der Welt, an denen zu leben wenig lebenswert ist.
Mit zu großer Selbstverständlichkeit wird heute von der „Lebensqualität“ gesprochen – als ob es da unterschiedliche Güteklassen gäbe. Während religiöse Maßstäbe davon, was ein gutes Leben ausmacht, in den Hintergrund geraten sind, haben sich Begriffe wie jener der Lebensqualität in den Vordergrund geschoben.
Doch: Erhält das Leben seine „Qualität“ wirklich von den äußeren Umständen eines Ortes – nämlich, wie gut man es sich dort gehen lassen kann? Oder zählt doch viel mehr, wie gut Menschen zueinander sind. Und an welchem Ort der Erde sollte dies nicht möglich sein? Die Orte – und auch die Zeiten – erhalten ihren Glanz von den Menschen, die an und in ihnen leben.
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