BRIEF_KASTEN
Das fordert heute nicht weniger Einsatz als im Mittelalter. Das Buch mit dem Titel „Die Gerüche der Kathedrale. Vom Leben im Herzen des mittelalterlichen Antwerpen“ zeugt davon. Die Kulturwissenschafterin Wendy Wauters beschreibt, mit welchen Herausforderungen die verantwortlichen Kanoniker der zentralen Liebfrauenkirche etwa von 1450 bis 1580 zu kämpfen hatten.
Selten habe ich ein so kurzweiliges Buch gelesen. Wo sonst erfährt man von einer eigenen Berufsgruppe, die damit beauftragt war, die Hunde, die in der Kathedrale ihre Notdurft verrichteten, aus der Kirche zu treiben?
Oder: Die Bewohner:innen Antwerpens benutzten das Querschiff ihrer Kathedrale als Abkürzung zum Großen Markt. Wer erinnert sich da nicht an den Linzer Mariendom?
Interessant ist auch der Hinweis auf ein kleines Zimmer mit Liegestatt in der Kathedrale. Wenn sich die Prediger bei ihren Predigten, die schon mal bis zu einer Stunde dauern konnten, völlig verausgabt hatten, gab es für sie einen Ruheraum. Wer würde nicht gerne einmal eine solche zur Erschöpfung führende Ansprache hören?
Bei allen Problemen, die man rund um die Liebfrauenkirche zu bewältigen hatte, waren sie doch Zeichen lebendiger Kirche.
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