Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Wo Affen, Luchse und Papageien leben und von staunenden Blicken beobachtet werden, wo Familien durch die Wege schlendern, dort bietet sich auch Raum für offene Gespräche. Der Welser Tierpark ist einer der Schauplätze der nachgehenden Seelsorge der Pfarre Raum Wels, die das Ziel verfolgt, Menschen mitten im Leben zu begegnen.
Seit 2021 ist das Projekt „Seelsorge unterwegs“ aktiv und hat seither zahlreiche Orte in Wels temporär bespielt: von Wochenmärkten über das Welser Volksfest bis hin zum Zoo. Mit dabei ist in der Regel das „Kirchen-Rad“, ein mobiler Seelsorgewagen, der Kirche im öffentlichen Raum sichtbar macht.
Dabei setzen die Ehren- und Hauptamtlichen auf eine Haltung der offenen, interessierten und wertschätzenden Begegnung – ohne Erwartungen, ohne missionarischen Druck. „Man trifft bei der nachgehenden Seelsorge natürlich viel eher auf Menschen, die der Kirche fernstehen, als in den gewohnten Kirchenräumen“, sagt Elena Gratzer, die als Seelsorgerin bei dem niederschwelligen Projekt mitwirkt.
Um Kontakt herzustellen, werden Müsliriegel und Segenskärtchen ausgeteilt. „Ich frage die Leute, ob ich ihnen etwas mitgeben darf. Das ist meistens mein Einstiegssatz. Viele können zuerst gar nicht glauben, dass sie einfach so etwas geschenkt bekommen“, erzählt sie.
Besonders gut geht das Konzept der nachgehenden Seelsorge immer bei der Wunschbaum-Aktion auf. Die Seelsorgerinnen laden Besucherinnen und Besucher der Shopping City Wels immer im Advent dazu ein, ihre immateriellen Wünsche auf Kärtchen zu notieren. Diese reichen aus Erfahrung von einfachen Begegnungen bei einer Tasse Kaffee bis hin zur Unterstützung bei kleinen handwerklichen Tätigkeiten wie Ausmalen oder Gartenarbeit. Die ausgefüllten Wunschkärtchen werden anschließend an einem Wunschbaum angebracht. „Im vergangenen Jahr hingen am Ende 300 Kärtchen am Baum“, berichtet Elena Gratzer. „Teilweise ist das schon sehr berührend. Zum Beispiel, wenn sich eine Mutter für ihr krankes Kind einfach Gesundheit wünscht.“ Rund um den Wunschbaum hätten sich zudem viele seelsorgliche Gespräche ergeben.
Dabei gibt es jedoch keine festgelegte Quote für die Anzahl der Kontakte, die die Seelsorger:innen haben müssen. „An manchen Aktionstagen sind es 50 Gespräche, an anderen vielleicht 20. Das variiert stark“, berichtet Elena Gratzer. Auch die Dauer und Tiefe der Gespräche sei naturgemäß sehr unterschiedlich und reiche von kurz bis intim.
„Es ist schön zu sehen, wenn sich Leute öffnen und ihre Geschichte erzählen“, sagt René Koppenberger-Drenik, der gemeinsam mit Elena Gratzer in dem Projekt arbeitet. „Es hat noch kein Gespräch gegeben, in dem ich fertiggemacht worden wäre“, überwiegen für ihn die positiven Erfahrungen. „Wir wollen mit den Aktionen für die Leute da sein und zeigen, dass Kirche rausgeht.“
Für Menschen in schwierigen Situationen könne nachgehende Seelsorge solidarisch wirken, von der Kirche verletzte Menschen könnten dadurch heilsame Erfahrungen machen. „Es ist eine Möglichkeit, die frohe Botschaft auf eine andere Weise zu vermitteln“, betont Elena Gratzer.
Für die Zukunft plant die Pfarre jedenfalls, bereits etablierte Begegnungsräume wie die Shopping City Wels und den Tierpark weiter zu beleben sowie neue Orte zu erschließen. So soll es auch bei der Landesgartenschau Wels im kommenden Jahr Aktionen von „Seelsorge unterwegs“ geben.
Am Sonntag, 31. Mai findet das Pfarrgründungsfest der Pfarre Raum Wels im Schloss Puchberg statt. Um 9:30 Uhr beginnt der Gottesdienst, anschließend Frühschoppen mit Verköstigung.

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
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