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Communale OÖ: Friede fällt nicht vom Himmel

KIRCHE_OÖ

Unter dem Dach der „Communale OÖ“ wird an 27 Schauplätzen des Bundeslandes der Bauernkrieg thematisiert, der 1626 das heutige Oberösterreich von Grund auf verändert hat.

Ausgabe: 21/2026
19.05.2026
- Josef Wallner
Die Lembacher Bürgermeisterin Nicole Leitenmüller (Mitte) erläutert den Ehrengästen den Friedensweg.
Die Lembacher Bürgermeisterin Nicole Leitenmüller (Mitte) erläutert den Ehrengästen den Friedensweg.
© KIZ/JW

Obwohl 400 Jahre seit den schrecklichen Massakern und Kämpfen vergangen sind, bleibt er ein prägendes Ereignis für die Geschichte des Landes. In Lembach wurde die „Communale OÖ“ eröffnet.

 

Inzwischen natürlich von Grund auf erneuert – aber das Haus steht noch, bei dem alles begann: Am 17. Mai 1626 wollten bayerische Besatzungssoldaten beim Habachwirt in Lembach das Pferd eines Bauern beschlagnahmen. Die folgende Auseinandersetzung, in die auch weitere anwesende Landwirte eingriffen, endete mit sechs toten Soldaten. Nun gab es kein Zurück mehr. Der für Pfingstsonntag, den 31. Mai im ganzen Land geplante Aufstand der Bauern ging unverzüglich los. Lembach ist der Ort, von dem der oberösterreichische Bauernkrieg seinen Ausgang nahm. 
Das war auch der Grund, warum die Communale, jener Reigen von Veranstaltungen zu 400 Jahren Bauernkrieg in OÖ, in Lembach eröffnet wurde. Sämtliche Events der Communale stehen unter dem Generalthema Mut, das dann jeweils um einen Begriff erweitert wird. Dem „Mut zum Frieden“ hat sich die Marktgemeinde Lembach verschrieben. Was das bedeuten kann, haben die kleinen und großen Bewohner:innen des 1.500 Einwohner:innen zählenden Ortes an einem ersten Festwochenende am 16. und 17. Mai eindrucksvoll gezeigt. 

 

Mut und Demut


Die Kindergartenkinder eröffneten mit dem Lied „Gemeinsam sind wir stark“ den ökumenischen Gottesdienst mit Bischof Manfred Scheuer, Superintendent Gerold Lehner und Pfarrer Maximilian Pühringer. Der Superintendent betonte in der Predigt, dass es beim Bauernkrieg nur scheinbar einen Sieger gegeben habe: „Es haben alle verloren, besonders der christliche Glaube.“ Er hob die Bedeutung des Muts in der Gesellschaft und für das Leben als Christenmensch hervor: „Wir brauchen den Mut zur Vergebung, der die anderen nicht auf die Fehler der Vergangenheit festlegt. Die Bereitschaft zu vergeben macht frei.“ Das zentrale Geheimnis des Glaubens besteht für Superintendent Lehner im Mut zur Liebe. Und schließlich wies er auf eine besondere Form von Mut hin – auf die Demut: „Wir sehen in Politik und Wirtschaft, was Herrschaft mit sich bringt. Demut heißt das große Ganze zu sehen und Gemeinsamkeit zu wagen.“ 
Auf dem Weg von der Kirche in die Alfons-Dorfner-Halle zur Gedenkfeier machte der Festzug einen ersten Halt bei einer der drei Installationen, die der Helfenberger Künstler Hermann Eckerstorfer im Ortszentrum mit einfachen Holzpflügen, wie sie früher von Tieren gezogen in Gebrauch waren, gestaltet hat. Ein Pflug ackert roten Sand aus, für Eckerstorfer ein Zeichen für Blut, Verwundungen und Demütigungen. „Verletzungen können nur durch Verzeihen geheilt werden“, sagt der Künstler. Verzeihen sei auch das Schlüsselwort für die beiden anderen Installationen, bei denen ein Pflug Tonscherben zum Vorschein bringt und der dritte den Asphalt aufackert. 

 

Demokratie festigen


Einen zweiten Stopp legte die Feiergemeinde beim Lembacher Friedensweg ein, der entlang des Schulgebäudes entstanden ist. Die Schüler:innen der Technisch-Naturwissenschaftlichen Mittelschule Lembach haben sich Gedanken zum Frieden gemacht und ließen sich vor allem durch nicht einfache Sätze aus der Bibel herausfordern: Was kann das Gebot der Feindesliebe heute bedeuten oder die Seligpreisung der Friedensstifter? Entstanden ist eine Reihe von Tafeln, die Bilder, Bibelverse, Texte und Zeichnungen der Kinder enthalten. Vor allem die kurzen Sätze der Schüler:innen beeindrucken durch ihre Klarheit und ihren Bezug zum Leben im Alltag. Der Blick auf die unter den Tafeln gesetzten biblischen Pflanzen wie Ölbaum, Weizen, Weinstock oder Feigenbäumchen will die Sinne für ein Leben ohne Krieg und Gewalt schärfen. Die Goldhaubenfrauen haben vor der Festhalle einen Kastanienbaum als bleibende Erinnerung an die Communale 2026 in Lembach gepflanzt. 
Beim Festakt, zu dem unter anderem die Theatergruppe und die Landesmusikschule beitrugen, erklärte Bürgermeisterin Nicole Leitenmüller, dass in Lembach einst ein Funke genügte, um einen Krieg zu entfachen: „Wir wollen heute ein anderes Feuer, ein Feuer des Friedens entzünden.“ Das verlange aber Einsatz und Engagement, wie es schon im Alten Testament, im Psalm 34, heißt: „Suche Frieden und jage ihm nach.“
Zu einem Höhepunkt der Feier wurde die Uraufführung der Komposition des Lembacher Software-Ingenieurs Markus Hofer, der mit neun Musikern sein „Echoes of the Peasants“ präsentierte. Historiker Hannes Leidinger und Schauspieler Cornelius Obonya stellten in einem Dialog aus Lesung und Kommentar auch persönliche Schicksale des Bauernkrieges vor, wie sie etwa in zeitgenössischen Protokollen überliefert sind. An die 12.000 Bauern, auch Frauen und Kinder, sind in dem schrecklichen Jahr 1626 getötet worden. 
Landeshauptmann Thomas Stelzer unterstrich die Bedeutung der Demokratie für den Frieden. Die einzige Garantie für die Demokratie sei aber, dass sie in Anspruch genommen wird. „Was ihr in Lembach mit eurem beeindruckenden Einsatz macht, dem Friedensweg, der Musik und vielem mehr – das ist Demokratie festigen“, dankte der Landeshauptmann.  
 

Die Lembacher Schüler:innen beendeten die Festfeier mit dem Lied „Friede für Groß und Klein“ und animierten zum Mitsingen.
Die Lembacher Schüler:innen beendeten die Festfeier mit dem Lied „Friede für Groß und Klein“ und animierten zum Mitsingen.
© KIZ/JW (2)
Josef Eibl (rechtes Bild) steht vor seinen Werken im Kunsthaus Lembach. Für die Zeit der Communale wurde ein leerstehendes Haus für Ausstellungen adaptiert.
Josef Eibl (rechtes Bild) steht vor seinen Werken im Kunsthaus Lembach. Für die Zeit der Communale wurde ein leerstehendes Haus für Ausstellungen adaptiert.
© KIZ/JW (2)
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