Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.

Als Jesus in den Himmel aufgenommen worden war, kehrten die Apostel von dem Berg, der Ölberg genannt wird und nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück.
Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philíppus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelót, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.
Schwestern und Brüder! Freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln. Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen;
denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch. Wenn einer von euch leiden muss, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt. Wenn er aber leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott darin verherrlichen.
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen.
Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war! Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.
Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.
Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.
Der Herr ist mein Licht und mein Heil:
Vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist die Zuflucht meines Lebens:
Vor wem sollte mir bangen?
Eines habe ich vom Herrn erfragt, dieses erbitte ich:
im Haus des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens;
die Freundlichkeit des Herrn zu schauen
und nachzusinnen in seinem Tempel.
Höre, Herr, meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und gib mir Antwort!
Mein Herz denkt an dich: „Suchet mein Angesicht!“ Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.
Die Apostel kehrten nach Jerusalem zurück – so hatte es Jesus ihnen kurz vor seiner Himmelfahrt angeordnet – und warteten ab, wie es nun weitergehen sollte. Gemeinsam mit den Frauen und Maria verharrten sie einmütig im Gebet. Einmütigkeit ist mehr als gemeinsam beten, es bedeutet eins zu werden im Gebet, um zu erkennen, was Gottes Plan ist. Ganz auf ihn ausgerichtet sein. Nicht auf die eigene Meinung zu setzen oder zu glauben, selbst genau zu wissen, was jetzt zu tun ist. Sie gehen in die Stille, ins Gebet.
Und diese Einmütigkeit wird es vermutlich auch gebraucht haben, war doch der Kreis der Apostel alles andere als homogen. Da sind Jakobus und Johannes, die von Jesus Donnersöhne genannt wurden, da sie öfters aneinandergeraten sind. Im Kreis der Apostel befindet sich Simon der „Zelot“. Die Zeloten waren gleichsam Partisanenkämpfer, die Anschläge verübt haben gegen die damalige römische Besatzungsmacht.
Und dann ist da noch Matthäus, der als Zöllner mit der römischen Besatzungsmacht gemeinsame Sache machte. In dieser Gruppe hat auch Thomas Platz, der die Auferstehung erst begreift, als er in die Wundmale Jesus greifen kann. Und Jesus setzt auf Petrus an vorderster Stelle, der beim Verhör Jesu Angst hatte und verleugnete, ihn zu kennen. Jesus sucht keine perfekten Menschen, er sucht sich unterschiedliche Charaktere mit teilweise divergierenden Weltanschauungen aus. Offensichtlich will er die Buntheit der Nachfolge. Er vertraut ihnen, dass sie seine Frohe Botschaft verbreiten werden. Das einmütige Gebet, das Warten, um die Führung Gottes zu erkennen, steht am Beginn ihrer Aktivitäten.

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.