Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Die Lange Nacht der Kirchen zeigt, dass das Wort Kirche nicht nur Sonntagsmesse meint. Die Besucher:innen erwartet vielmehr ein buntes Programm: Musik und Tanz, Vorträge und Lesungen, Meditation und Stille, Kirchenführungen und Turmbesteigungen, Zauberkunst und – nicht vergessen – auch Kulinarisches aus aller Welt wird angeboten.
In ganz Österreich steht die Lange Nacht unter dem Thema „MUTeinander“. Der Begriff spielt mit den Worten „Mut“ und „miteinander“. „In Zeiten von Unsicherheit brauchen wir Mut als innere Kraftquelle. Mut wächst dort, wo wir einander stärken, wo wir miteinander und mit Gott unser Leben gestalten“, umreißt Bischof Manfred Scheuer eine wichtige Facette der Langen Nacht. Das in Großbuchstaben geschriebene Wort MUT erinnert auch an das Gedenkjahr „400 Jahre Bauernkriege in Oberösterreich“, dessen Veranstaltungen in ganz Oberösterreich sich unter dem Dach der Commuale OÖ mit den unterschiedlichen Formen von Mut beschäftigen.
Von Anfang an – seit dem Beginn vor mehr als zwanzig Jahren – war die Lange Nacht eine ökumenische Veranstaltung. Mittlerweile ist sie zur Selbstverständlichkeit geworden und macht die Vielfalt der christlichen Kirchen in Oberösterreich sichtbar. „Das heurige Motto ‚MUTeinander‘ erinnert uns daran, wie wichtig Gemeinschaft, Zusammenhalt und Begegnung sind. Die Lange Nacht der Kirchen zeigt genau das auf besondere Weise: Als größte ökumenische Veranstaltung Österreichs lebt sie vom Engagement unzähliger Menschen, die mit Offenheit und Begeisterung diese Nacht gestalten. Ich wünsche allen Besucher:innen viele berührende Momente und eine ermutigende Nacht, die verbindet“, meint die diözesane Projektverantwortliche Lisa Weichsler in Vorfreude auf die Lange Nacht der Kirchen am 29. Mai.
In ganz Oberösterreich werden in der Langen Nacht der Kirchen mehr als 250 Veranstaltungen angeboten, 120 davon sind in Linz. In der Linzer Innenstadt finden sich in so gut wie jeder Kirche Impulse zum Verweilen, Hören oder Mittun. Im Folgenden wird ein Gang durch das Programmheft unternommen.
Eröffnet wird die Lange Nacht mit einem ökumenischen Friedensgebet im Mariendom Linz um 18:15 Uhr. Dom und Domplatz bilden traditionell ein beliebtes Zentrum für Veranstaltungen, Begegnungen und der Stärkung. Um 19 Uhr ist im Dom die Polizeimusik OÖ zu erleben, die einen Streifzug durch die Klangwelten über symphonische Werke bis zu modernen Rhythmen bietet. Vom Domplatz auf dem Weg zum Hauptplatz, wo von 19 bis 22 Uhr die Möglichkeit zur Begegnung mit Vertreter:innen des Forums der christlichen Kirchen OÖ besteht und wo die Besucher:innen einen „Segen to go“ holen können, lohnt ein Halt im Bischofshof. Dort ist von 18 bis 21 Uhr der nach alten Plänen neu gestaltete Garten des Bischofshofs geöffnet, der das Jahr über nicht zugänglich ist. Der Garten ist eine grüne Oase inmitten der Innenstadt.
Im Bischofshof findet man auch eine Ikonenausstellung, die um 19 Uhr eröffnet wird. Wer Ikonen im Kontext einer mit qualitätsvollen Fresken ausgemalten orthodoxen Kirche erleben und mehr über die religiösen Traditionen der Orthodoxie erfahren möchte, ist eingeladen, in die serbisch-orthodoxe Kirche am Linzer Hafen zu fahren (Nähe Posthof; Buslinien 27 und 46). Die Kirche ist von 19 bis 22 Uhr geöffnet.
Gesänge in byzantinischer liturgischer Tradition sind um 19 Uhr im Alten Dom (Ignatiuskirche) bei der ukrainisch-griechisch-katholischen Gemeinde „Hl. Josaphat“ zu hören.
Ein interreligiöses und interkonfessionelles Feuergebet zum Thema „Wir – Frieden leben wollen“ findet ab 20:45 Uhr in der Pfarrgemeinde Linz-Guter Hirte statt. Anschließend besteht die Möglichkeit zum Gespräch und zur Begegnung.
Im Festjahr zum 800. Todestag des heiligen Franz von Assisi findet in der Krypta der Elisabethinen eine meditative Stunde statt, die in Wort und Klang den unauslöschlichen Spuren nachgeht, die der Heilige hinterlassen hat. Die Texte rezitiert die Schauspielerin Bettina Buchholz, den musikalischen Rahmen schafft Emiko Uchiyama mit der Marimba.
Tanz und Musik mit Studierenden der Anton Bruckner Privatuniversität verbinden sich in der Ursulinenkirche zu einer poetischen Reise (21 Uhr). Ab 22 Uhr geben dort die „Voices“ unter Leitung von Josef Habringer ein „Abendständchen“ (weltliche und geistliche Abendmusik).
Eine atemberaubende Luftakrobatikshow von „Wolke Sieben“ erwartet Besucher:innen in der Jugendkirche Grüner Anker (Kirche St. Josef in Urfahr). Dort kann auch „Sacred Techno Yoga“ zu Techno-Musik ausprobiert werden. Am Pöstlingberg und in der Basilika Pöstlingberg ist von 17 bis 21:15 Uhr ein Programm, das einen musikalischen Schwerpunkt setzt und bei dem auch die neue Orgel ihren besonderen Platz hat.
In Linz kann man die Lange Nacht der Kirchen mit einem ökumenischen Abendgebet in der Martin-Luther-Kirche ausklingen lassen (23 bis 23:30 Uhr).
Wer zur Langen Nacht nicht in die Landeshauptstadt Linz kommen möchte, findet verteilt über das ganze Bundesland an vierzig Orten Veranstaltungen: von A wie Andorf bis W wie Wels.
Ein sehr umfangreiches Programm hat die Pfarrgemeinde St. Georgen im Attergau vorbereitet. Dort kann man „mutig“ den Pfarrer am Spielbrett herausfordern (17:30 Uhr), „Mut“-Bilder gestalten (18–20 Uhr) und sich an einer „Mutausbruchmaschine“ Ideen holen, wo man selbst Mut zeigen kann (17 bis 22:15 Uhr). Unter dem Titel „Da schmunzelt der Kirchenturm“ werden humorvolle Anekdoten aus dem Pfarrleben und unterhaltsame Lieder von „Scherrhaufen“ zum Besten gegeben.
In der Pfarrgemeinde Lenzing verzaubert Wolfgang Öller Jung und Alt (19 Uhr) mit seiner Zaubershow, ab 20 Uhr kommen zwei Jungpolitiker mit zwei Altpolitikerinnen ins Gespräch und um 21:30 Uhr heißt es „Die Erde ist schön, es liebt sie der Herr“. Gemeinsam werden, begleitet von der Band der evangelischen Gemeinde Schwanenstadt, religiöse Hits aus den 1970er-Jahren gesungen. Als Zeitzeuge ist der Seelsorger Franz Harant dabei, der als Jugendlicher in Lenzing bei der Katholischen Arbeiterjugend aktiv war.
Als besonderen Auftakt der Langen Nacht organisieren die Pilgerbegleiter:innen der Diözese ein Sternpilgern zum Mariendom. Vier geführte Gruppen starten am Nachmittag und treffen zum ökumenischen Friedensgebet um 18:15 Uhr im Mariendom zusammen. Begleitet werden die Gruppen von Pilgerbegleiter:innen mit Impulsen am Weg. Die vier Treffpunkte sind: Ebelsberg (13 km), Treffpunkt 13:45 Uhr, Saunaoase; Wilhering (11 km), Treffpunkt 13:45 Uhr, Stiftskirche; Pleschingersee (7 km), Treffpunkt 15:30 Uhr, Endstation Bus 33; Pöstlingberg (5 km), Treffpunkt 14:45 Uhr, Pöstlingbergkirche. Nähere Infos: andrea.reisinger@dioezese-linz.at.
Das gesamte Programm für Oberösterreich
(auch das Kinderprogramm) findet sich unter:
www.langenachtderkirchen.at

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Turmeremitin Birgit Kubik berichtet über ihre Woche in der Türmerstube hoch oben im Mariendom Linz >>

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