BRIEF_KASTEN
Zu meiner Zeit bestand eine Mathematik-Schularbeit aus vier, fünf größeren Beispielen, die es zu lösen galt. Oft war eines dabei, bei dem man im ersten Moment erschrak. Wie soll das zu verstehen, geschweige denn zu lösen sein?
Doch es waren auch leichtere Beispiele darunter. Ratsam war, zuerst diese zu zu lösen – sonst hat man sich die ganze Zeit mit den schweren abgemüht und am Ende gar nichts zustande gebracht.
Wenn heuer an den Sonntagen aus dem Matthäusevangelium gelesen wird, stößt man – vor allem in der Bergpredigt – auf schier unlösbar scheinende Aufgaben. Wenn ich auf eine Wange geschlagen werde, auch die andere hinhalten? Auch den Feind lieben? Ohne Zögern Frieden mit dem oder der Gegner:in schließen?
Liest man genauer, wird man sehen: Da sind auch leichtere Aufgaben formuliert. Wenn dich jemand bittet, gib! Oder: Wenn jemand von dir borgen will, dann borge ihm oder ihr. Auch ganz einfache Sachen nennt Jesus: Wenn jemand mit dir ein Stück gehen will, dann gehe mit ihm oder ihr – doppelt so lang, als er oder sie erwartet. Und etwas ganz Einfaches: Grüße, und zwar nicht nur jene, die dir zu Gesicht stehen. Was will das heißen? Verschließe dich nicht. Sei für andere Menschen offen.
Vielleicht sollte man auch an seine Lebensaufgaben so herangehen, wie man es bei Schularbeiten gelernt hat: Besser beginnt man mit den lösbaren Aufgaben. Man kann sich am Ende nicht herausreden: Gott, du hast zu viel von mir verlangt. Darauf könnte er antworten: Warum hast du dann die leichten Aufgaben auch nicht gelöst?
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