BRIEF_KASTEN
Irgendwann ist der Krieg dann aus, meint man. Aber das stimmt so nicht. Auf diese Erkenntnis stieß der Schweizer Dokumentarfilmer Daniel Howald durch seine Arbeit mit Martin Miller. Martin Miller wurde 1950 geboren.
Er könne sich nicht vorstellen, was seine Eltern während des 2. Weltkriegs in Polen durchgemacht hätten, erklärt er, aber er kenne ihre Gefühle –
denn die hätten sie ihm weitergegeben.
Obwohl seine Mutter Alice Miller eine bekannte Kindheitspsychologin war, verhielt sie sich konträr zu ihrer wissenschaftlichen Erkenntnis. Der Dokumentarfilm „Who‘s afraid of Alice Miller“ begleitet den Sohn nach Warschau, wo er sich nach dem Tod der Eltern auf die Suche nach dem Drama ihres Lebens macht.
Durch „transgenerationale Übertragung“ von Traumata wurde es auch zu seinem Drama. Sein Vater misshandelte den einzigen Sohn täglich, die Mutter sah zu oder versteckte sich. Warmherzige Gefühle für den Sohn zu empfinden, war ihr nicht möglich. So lebte das Trauma des Krieges weiter.
Nach dem Besuch in Warschau gesteht Martin Miller, dass er die Mutter nun besser verstünde, aber vergeben könne er nicht. Der Krieg lebt weiter. Das ist eine der aktuellen Botschaften, die der vielschichtige Film erzählt.
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